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Illustration zum Thema: Lehmmörtel herstellen als Putz, Estrich und Maurermörtel

Lehm – der älteste Mörtel der Menschheit

👤︎ Fabian Peise📅︎ 08.10.2025

Lehmmörtel härtet allein durch Trocknung, bleibt jedoch reversibel: Bei Feuchtigkeit wird er wieder plastisch und lässt sich ausbessern. Als Maurermörtel diente er zur Verbindung von Lehmziegeln, wurde aber ebenso für Mauerwerk aus Feldsteinen oder frühen Backsteinen verwendet. Als Bewurf auf Holzflechtwerk bildet er die älteste Form eines Putzes. Lehmputze finden sich auch auf Mauerwerk und Holzkonstruktionen. Lehm-Estrich wird nicht gegossen, sondern als Stampflehm aufgebracht und verdichtet.

Rezept Lehm-Maurermörtel

Der Einsatz als Maurermörtel zwischen unregelmäßigen Natursteinen verbessert die Lastverteilung und schließt Hohlräume, die bei Trockenmauerwerk unvermeidlich bleiben. Durch die plastische Fügung entsteht eine flächigere Auflage, was die Stabilität des Bauwerks deutlich erhöht. Lehmmörtel wirkt als druckverteilender Puffer: Er verbindet, ohne zu verspannen, und erlaubt dem Mauerwerk, auf Setzungen oder Temperaturänderungen zu reagieren, ohne zu reißen. In feuchtem Klima oder bei Spritzwasserbelastung erfordert er jedoch einen schützenden Putz oder ausreichenden Dachüberstand, da er sonst wieder aufweicht.

Materialien:
  • 1 Teil natürlicher, ungebrannter Lehm
  • 0 bis 3 Teile Sand (je nach Fettigkeit des Lehms)
  • Wasser
  • etwas kurz gehäckseltes Stroh oder Tierhaare
Zerkleinern
Das Stroh wird gehäckselt, für Mauermörtel: eher kurz (1–2 cm), um ein dichtes Gefüge zu erhalten.
Anfeuchten oder Einweichen
Trockenes Stroh entzieht dem Mörtel beim Mischen zu viel Wasser und bindet schlechter. Meist genügt ein kurzes Anfeuchten, etwa durch Besprühen. Sehr trockenes oder altes Stroh sollte mehrere Stunden eingeweicht werden, bis die Halme weich sind. Danach gut abtropfen lassen, bevor sie eingemischt werden.
Lehm magern
Als Naturprodukt kann der Lehm eher fett oder mager vorgefunden werden. Fett bedeutet, dass der Anteil feinster Tonpartikel hoch ist. Solcher Lehm neigt beim Trocknen zu Rissen und wird mit Sand abgemagert. Für Maurermörtel ist jeder Bausand geeignet; Körnung und Mineralzusammensetzung spielen eine untergeordnete Rolle. Magerer Lehm hingegen wird mit weniger oder ganz ohne Sand und mit Wasser auf plastische Konsistenz eingestellt. Ist der Sandanteil zu hoch, verliert der Mörtel seine Bindefähigkeit.
Mauken
Nach dem Mischen ruht der Mörtel ein bis zwei Wochen. Dabei quellen die Tonminerale im Wasser vollständig auf, wodurch die Plastizität, Haftung und Homogenität zunehmen. Der Mörtel wird geschmeidiger und lässt sich leichter verarbeiten.
Mischen
Das Stroh wird nach dem Mauken eingearbeitet. Bewährt hat sich das Treten der Masse mit den Füßen, bis sie gleichmäßig „zieht“, also zäh, aber geschmeidig wird. Traditionell erfolgt das auf einer Lehmplane oder festgestampften Lehmbahn. Das Stroh wirkt als organische Armierung: Es hemmt die Rissbildung, erhöht die Zugfestigkeit und verbessert das Trocknungsverhalten.
Einstellen
Zum Schluss wird der Mörtel mit wenig Wasser auf eine steife, „pappende“ Konsistenz gebracht, damit er haftet, ohne aus den Fugen zu laufen.
© Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung ohne Genehmigung.

Rezept Lehm-Putzmörtel (Unterputz)

Lehmputz dient dem Witterungsschutz und der Glättung der Wandoberflächen. Seine Zusammensetzung unterscheidet sich nur geringfügig vom Lehmmauermörtel; die Herstellungsschritte sind identisch, weichen jedoch in einzelnen Punkten ab. Für einen fachgerechten Putzaufbau in mehreren Lagen müssen Unterputz und Oberputz bereits beim Anmischen unterschieden werden: Der Unterputz ist im Aufbau feiner und meist etwas magerer als der Maurermörtel, um beim Trocknen Spannungsrisse zu vermeiden und besser zu haften. Nur der dünne Oberputz darf etwas fetter eingestellt werden, um sich glätten zu lassen.

Materialien:
  • 1 Teil natürlicher, ungebrannter Lehm
  • 0 bis 4 Teile Sand (je nach Fettigkeit des Lehms)
  • Wasser
  • etwas mittellang gehäckseltes Stroh oder Tierhaare
Zerkleinern
Abweichend vom Maurermörtel wird das Stroh auf eine mittlere Länge von etwa 2–3 cm gehäckselt, damit die Fasern Zugkräfte besser aufnehmen und Risse überbrücken können.
Anfeuchten oder Einweichen
Vorgehensweise wie beim Lehmmauermörtel: Das Stroh wird kurz angefeuchtet oder eingeweicht, damit es dem Mörtel kein Wasser entzieht.
Lehm magern
Der Unterputz wird magerer eingestellt als der Maurermörtel, also mit einem höheren Sandanteil. Für den Unterputz eignet sich ein griffiger Sand mit natürlicher Sieblinie, der auch gröbere Fraktionen bis in den Grusbereich (2–5 mm) enthält. Die Sieblinie bezeichnet die natürliche Verteilung der Korngrößen im Sand – vom feinen Staubanteil bis zu grobem Grus. Ein solcher gewachsener Sand ergibt ein dichtes, stabiles Gefüge mit guter Haftung und geringem Schwund.
Mauken
Wie beim Mauermörtel ruht der Mörtel nach dem Mischen ein bis zwei Wochen.
Mischen
Das Stroh wird nach dem Mauken eingearbeitet. Ein bewährtes Vorgehen ist das Treten der Masse mit den Füßen, bis der Mörtel gleichmäßig zieht, also zäh, aber geschmeidig wird.
Einstellen
Durch geringere Wasserzugabe erhält der Unterputz eine steifere, „griffige“ Konsistenz als der Maurermörtel. So haftet er besser am Untergrund und sackt beim Auftrag nicht ab, besonders bei dünnem Auftrag auf senkrechter Wand. Gleichzeitig muss der Mörtel noch so weich sein, dass man ihn werfen, aufbringen oder andrücken kann. Das bedeutet: die Wassermenge ist geringer als beim Mauermörtel, aber ausreichend, um die Verarbeitbarkeit zu gewährleisten.
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Rezept Lehm-Putzmörtel (Oberputz)

Der Oberputz bildet die abschließende, glatte Oberfläche und dient vor allem der Ästhetik sowie einem zusätzlichen Witterungsschutz. Er unterscheidet sich vom Unterputz durch feinere Körnung, geringeren Faseranteil und leicht fettere Einstellung, damit er sich gut glätten lässt und die Oberfläche homogen wirkt.

Materialien:
  • 1 Teil natürlicher, ungebrannter Lehm
  • 0 bis 2 Teile Sand (feiner, spitzkörnig)
  • Wasser
  • sehr kurze Fasern oder keine Fasern (optional: Tierhaare, feines Stroh, 0,5–1 cm)
Zerkleinern
Das Stroh wird sehr kurz gehäckselt oder weggelassen, um eine glatte Oberfläche zu ermöglichen.
Anfeuchten oder Einweichen
Vorgehensweise wie beim Unterputz: Fasern ggf. kurz anfeuchten, damit sie den Mörtel nicht entwässern.
Lehm magern
Der Oberputz ist fetter als der Unterputz, also mit geringerem Sandanteil. Das ermöglicht ein glattes Aufziehen und verringert Risse durch Schrumpfung.
Mauken
Auch der Oberputz wird vor der Verarbeitung einige Tage gelagert, um die Plastizität zu verbessern. Die Lagerdauer ist kürzer als beim Unterputz, da die Masse feiner und dünner aufgetragen wird.
Mischen
Fasern (Stroh) werden vorsichtig eingearbeitet, um eine gleichmäßige Masse zu erhalten. Der Mörtel sollte weich, aber nicht flüssig sein.
Optionale Zusatzstoffe
Der Oberputz kann optional mit Kasein, Tierdung, Seife oder feinem Lehmmehl gehärtet werden, um Festigkeit und Wasserbeständigkeit zu erhöhen – ein Beispiel hierfür ist der marokkanische Tadelakt. (Kasein als Bindemittel wird ab dem Spätmittelalter für gehobene Innenausbauten, Freskenuntergründe und Fassaden genutzt. Tierdung enthält organische Fasern, Stickstoffverbindungen und Enzyme. Er wird weltweit in traditionellen ländlichen Bauten zur Verbesserung der Plastizität eingesetzt).
Auftrag und Einstellen
Der Oberputz wird dünn (ca. 2–4 mm) auf den Unterputz aufgetragen und glattgezogen. Durch die etwas fettere Konsistenz haftet er gut auf dem Unterputz, lässt sich gut verdichten und bildet eine homogene Oberfläche.
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Rezept Lehmestrich (Stampflehm-Boden)

Lehmestrich dient als tragfähige, diffusionsoffene Bodenschicht. Er härtet ausschließlich durch Trocknung und erhält seine Festigkeit vor allem durch Verdichtung. Im Gegensatz zu Mörtel oder Putz wird Lehmestrich nicht aufgestrichen oder geworfen, sondern in feucht-plastischem Zustand lagenweise eingebracht und mit Stampfern verdichtet. Man nutzt daher eine erdfeuchte, formbare Masse. Er enthält grobere Zuschläge, weniger Wasser und lange Fasern, damit er beim Stampfen nicht nachgibt und beim Trocknen rissfrei bleibt. Lehmestriche wurden über Jahrtausende als fester, atmungsaktiver Bodenbelag verwendet – im Wohnraum, in Speichern und Werkstätten.

Materialien:
  • 1 Teil natürlicher, ungebrannter Baulehm
  • 2 bis 3 Teile grober Sand oder feiner Grus (2–8 mm Korngröße)
  • Wasser bis zur erdfeuchten, formbaren Konsistenz
  • Pflanzliche oder tierische Fasern (Stroh, Haare)
Zerkleinern
Das Stroh wird gehäckselt und mit Längen bis etwa fünf Zentimeter beigemischt, um Rissbildungen in der Fläche zu verringern.
Lehm magern
Für Lehmestriche wird ein tonreicher, gut bindender Lehm verwendet, möglichst frei von Sanden und organischen Bestandteilen. Im Gegensatz zu Mauer- oder Putzmörtel wird dem Estrich ein deutlich höherer Anteil grober Zuschläge beigemischt. Diese Kombination vereint Bindigkeit mit Volumenstabilität: Die groben Anteile verringern das Schwinden beim Trocknen und verbessern die Durchlüftung, während der tonreiche Lehmanteil eine dichte, abriebfeste Oberfläche bildet. Ideal ist ein natürlicher Grubensand oder gesiebter Kies mit einer Korngrößenverteilung bis in den Grusbereich (2–8 mm).
Mischen
Lehm und Zuschläge werden zunächst trocken vermengt, bis eine gleichmäßige Färbung entsteht. Erst dann wird schrittweise Wasser zugegeben, bis die Masse erdfeucht ist: formbar, aber nicht schmierig. In der Hand zusammengedrückt, muss sie stabil bleiben, ohne dass Wasser austritt.
Mauken
Nach dem Mischen sollte die Masse – wie bei anderen Lehmmörteln – ein bis zwei Wochen ruhen. Während dieser Zeit quellen die Tonminerale auf und verbessern Plastizität und Haftung.
Einstellen
Vor dem Einbringen kann mit etwas zusätzlichem Sand oder Lehmmehl feinjustiert werden: Das Ziel ist eine dichte, druckfeste Masse, die beim Stampfen nicht an den Werkzeugen klebt.
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