Fabian Peise
Autor und Praktiker für mittelalterliche Handwerkstechniken und Experimentalarchäologie
Die Werkstatt als Erkenntnisquelle
Die Grundlage jedes Beitrags auf Zunfterbe ist die eigene Praxis. Fabian Peise hat den Gewichtswebstuhl nicht nur beschrieben, sondern gebaut und bespannt. Er hat Kalk gebrannt, Keramikbrennöfen gebaut, Tinten angesetzt, Daubenschalen rekonstruiert. Dieses direkte Erfahrungswissen ist der Maßstab, an dem alle anderen Quellen gemessen werden; schriftliche wie archäologische. Wo eigene Erfahrung endet, treten Praktiker aus erster Hand an ihre Stelle: Handwerker, die ihr Fach leben. Peer-Review auf Zunfterbe bedeutet nicht das Urteil eines Professors, sondern das Urteil einer Person, die dasselbe mit den Händen gemacht hat.
Experimentalarchäologie: Mitgründer von EXARC
Diese Haltung ist kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger Arbeit in der internationalen Experimentalarchäologie. Fabian Peise ist Mitgründer von EXARC, der weltweiten Dachorganisation für Freilichtmuseen und Experimentalarchäologie unter dem Dach des ICOM (International Council of Museums), heute mit über 430 Mitgliedsorganisationen. EXARC steht für genau diesen Ansatz: Geschichte wird nicht nur interpretiert, sondern erprobt. Als langjähriges Vorstandsmitglied des Museumsdorfs Düppel in Berlin, einem der bedeutendsten Freilichtmuseen für mittelalterliches Dorfleben in Deutschland, hat er diesen Ansatz über Jahre in der Praxis umgesetzt und international vernetzt. Um die Jahrtausendwende verantwortete er dort den Aufbau der Online-Präsenz, dessen Domain dueppel.de bis heute besteht.
Beruflicher Hintergrund
Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit verfügt Fabian Peise über operative Erfahrungen in der Arbeitsvermittlung für Handwerker sowie in der Logistikleitung. Diese Praxis schärfte seinen analytischen Blick für Materialflüsse, Systemlogik und die wirtschaftlichen Realitäten des Handwerks. Perspektiven, die in die nüchterne, quellenbasierte Arbeitsweise von Zunfterbe einfließen.
Wissenschaftliche Methodik als Handwerkszeug
Das akademische Fundament steht im Hintergrund, aber es steht fest. Fabian Peise studierte Mittelalterliche Geschichte und Kunstgeschichte an der Freien Universität und der Humboldt-Universität Berlin, geprägt durch die Berliner Schule der Kunstgeschichte: durch Prof. Dr. Rainer Haussherr , Herausgeber des maßgeblichen Staufer-Katalogs, und Prof. Dr. Eberhard König , international führender Experte für mittelalterliche Buchmalerei. Seine Spezialisierung auf Kodikologie und Paläografie vertiefte er bei Prof. Dr. Wolfgang Milde an der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel . Den stärksten intellektuellen Impuls jedoch verdankt er einer anderen Begegnung: der langjährigen Mentorenschaft durch Dr. Klaus Goldmann, Archäologe am Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin und Vorstandsvorsitzender des Museumsdorfs Düppel. Goldmann verkörperte eine unbequeme wissenschaftliche Haltung: Erkenntnis entsteht im Hinterfragen von Konventionen, nicht in ihrer Bestätigung, und die Praxis steht über der Theorie. Diese Maximen sind bis heute das Fundament von Zunfterbe.
Publikationen
Fabian Peise hat Fachbeiträge in archäologischen Publikationen sowie in populärwissenschaftlichen Zeitschriften der Experimentalarchäologie veröffentlicht:
- „Die Rekonstruktion von Daubenschalen" –in: Archäologische Mitteilungen aus Nordwestdeutschland, Beiheft 37, S. 149–154, Oldenburg 2001 (Digitalisat)
- „Eine Lübecker Kasel im Danziger Paramentenschatz" in: Acta Archaeologica Lodziensia nr 50/1, S. 153–157, Łódź 2004 (Digitalisat)
- „Ein vielseitiger Gefährte. Herstellung und Gebrauch eines Gewichtswebstuhls" – Pax et Gaudium 27/2007, S. 39–43
- „Die Grundbindungen der Weberei. Teil I: Leinwand- und Köperbindungen" – Pax et Gaudium 30/2007, S. 46–47
- „Die Grundbindungen der Weberei. Teil II: Mittelalterliche Seidengewebe" – Pax et Gaudium 32/2008, S. 62–63
- „Düppeler Lexikon" – Online-Publikation auf dueppel.de, 1999–2005
Das Projekt Zunfterbe
Zunfterbe dokumentiert historische Handwerkstechniken für Menschen, die sie ausüben wollen – nicht nur darüber lesen. Die inhaltlichen Schwerpunkte liegen auf:
- Textilem Handwerk: Gewichtswebstuhl, Grundbindungen, mittelalterliche Seidengewebe
- Mittelalterlichen Handwerkstechniken: Pergament, historische Tinten, Daubenschalen, Baustoffe
- Experimentalarchäologie: Rekonstruktion, Materialkunde, Quellenprüfung
Jeder Beitrag entsteht aus der Praxis heraus und wird an der Praxis gemessen. Das akademische Werkzeug dient der Absicherung, die Werkstatt ist der Maßstab.
Fabian Peise schreibt auf Zunfterbe.de über mittelalterliche Handwerkstechniken, textiles Handwerk und Experimentalarchäologie. Aus eigener Praxis, gestützt durch jahrzehntelange Forschung.