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Illustration zum Thema: Tabak verarbeiten: Anleitung zum Trocknen & Fermentieren

Tabakverarbeitung

👤︎ Fabian Peise📅︎ 15.03.2026

Dass mein Vater als Stadtkind nach dem Krieg die Ferien auf dem Land verbrachte, war sein Glück: dort gab es nicht nur Lebensmittel, sondern er konnte bei einem Bekannten, dem 'Onkel', auch die Kunst der Tabak-Veredelung beobachten. Wie ich bereits im Beitrag über den Anbau  ↗ beschrieben habe, wuchs der Tabak damals in fast jedem Hausgarten. Doch die Ernte war nur der erste Schritt. Die eigentliche Herausforderung war die Weiterverarbeitung im Haus. Ohne das Wissen um Fermentierung und den richtigen Schnitt blieb das Kraut ungenießbar. Der Onkel nutzte dafür spezielle Handwerkzeuge und oft mangels Alternativen sogar Zeitungspapier zum Drehen. Dass diese Hobby-Produktion damals funktionierte, lag auch an der Fachliteratur für Selbstversorger: Der Tabak-Kleinanbau von Paul König, 1946. König, ein international anerkannter Tabakforscher, erklärte darin detailliert, wie man die rohen Blätter fachgerecht aufbereitet. Der folgende Abschnitt aus seinem Werk beschreibt die notwendigen Schritte der Verarbeitung.

Einfädeln

Zum Einfädeln braucht man eine Tabaknadel und Tabakgarn. Eine echte Tabaknadel ist etwa 27 cm lang, einen halben Zentimeter breit und im Querschnitt flach rechteckig, nicht rund. Eine gewöhnliche Packnadel tut es ebenfalls. Das Tabakgarn muss fest und kräftig sein: Zwirnfaden ist zu dünn, Baumwollgarn und dünne Papierschnur tragen das Gewicht der wasserreichen Blätter auf Dauer nicht. Am besten eignet sich Hanfgarn, Jute oder Kunststoff. Die Stärke entspricht etwa der Schnur zum Zubinden von Dauerwürsten.

Vorbereitung der Schnüre

Die Schnüre werden vor dem Einfädeln auf die passende Länge geschnitten. Der Abstand zwischen den Aufhängebalken sollte 100–120 cm betragen. Bei größerem Abstand senkt sich die gesamte Ware zu stark zur Mitte durch. Bei 100 cm Hangweite schneidet man die Schnur auf etwa 110 cm, um an beiden Enden Schlaufen zum Aufhängen zu knüpfen. Vor dem Einfädeln wird nur an einem Ende eine Schlinge gemacht; das andere Ende wird an der Öse der Nadel befestigt. Nach dem Einfädeln erhält auch dieses Ende eine Schlaufe.

Einfädeltechnik

durchstechen des Blattes
durchstechen des Blattes
Der Einfädler nimmt die Nadel in die linke Hand und schiebt mit der rechten Hand ein Blatt nach dem anderen auf die Nadel, etwa 4 cm vom Rippenende entfernt. Die Rippe wird von der Seite angestochen, parallel zur Blattfläche, so dass die Hauptrippen gleichmäßig nach einer Seite zeigen. Ist die Nadel zu drei Vierteln besetzt, streift man die Blätter auf die Schnur. Zwischen je zwei Blättern lässt man ausreichend Abstand. Die Faustregel: Zwischen zwei benachbarten Blättern muss noch ein drittes Platz haben. Zu dichtes Einfädeln behindert die Trocknung und führt zu Dachfäule. Je wasserreicher die Blätter und je dicker die Rippen, desto größer müssen die Abstände sein. Diese Einfädelmethode hat einen wichtigen Vorteil: Die Blätter rollen sich beim Trocknen an den Rändern ein, verkleben aber nicht miteinander. Sie bilden regelmäßige Hohlräume, durch die die Luft streichen kann. Außerdem liegen die Hauptrippen frei, was die Trocknung wesentlich beschleunigt.

Nach dem Einfädeln

Die fertig bestückte Schnur wird in der Mitte zusammengefaltet, mit den Blattrippen nach außen. Man legt sie auf saubere Säcke oder Bretter. Nicht mehr als drei bestückte Schnüre dürfen übereinandergestapelt werden. Das Aufhängen soll noch am selben Tag oder spätestens am nächsten Morgen erfolgen.

Was beim Trocknen geschieht

grüne Tabakblätter auf einer Schnur
die frische Ernte beginnt zu trocknen
Während des Wachstums der Tabakpflanze sind Enzyme am Aufbau aller Pflanzenteile beteiligt. Nach dem Abbrechen der Blätter arbeiten diese Enzyme noch einige Zeit weiter. Auch die Zellatmung der Blätter läuft beim Welken noch fort. Es findet eine langsame Oxidation statt. Die Trocknung ist also nichts anderes als die gelenkte Einleitung der Fermentation. Eine Vorbereitung, die den unkontrollierten Zerfall wie im Komposthaufen verhindert. Langsam trocknen und gemächlich fermentieren: nur so erhält man guten Tabak und bewahrt ihn vor dem Verderb. Chlorophyll wird durch langsames Trocknen bei warmer Luft vollständig abgebaut. Die gelben Farbstoffe Carotin und Xanthophyll treten zutage. Stärke wird beim langsamen Trocknen abgebaut. Zucker wird ebenfalls weitgehend abgebaut. Dies ist für Zigaretten- und Pfeifentabak unerwünscht. Wer den Zuckergehalt erhalten will, muss also etwas rascher trocknen. Je nach Trocknungsgeschwindigkeit erhält man also ein unterschiedlich geeignetes Produkt:
Rauchtabak (schnelle Trocknung): offener Schuppen wie beschrieben
Zigarrentabak (langsame Trocknung): allseitig geschlossene Räume wie Dachböden, mit stets ausreichender Durchlüftung
Kautabak: während der Trocknung gleichzeitig räuchern

Aufhängen der eingefädelten Blätter

braune Tabakblätter auf einer Schnur
die Trocknungszeit ist vorüber
Das Aufhängen erfolgt stets an einem luftigen Ort unter einem Dach, nicht an Hauswänden oder Zäunen. Der Tabak darf keinesfalls durch Niederschläge nass werden. Geeignete Orte sind ein luftiger Dachboden, eine Scheune oder eine gedeckte Durchfahrt. In der warmen Jahreszeit wählt man möglichst die Nordseite, damit die Trocknung nicht zu schnell vonstattengeht. Zu rasches Trocknen lässt den Tabak grün bleiben. Direkte Sonnenbestrahlung ist zu vermeiden. Besonders gute Vergilbung erzielt man in vollständig abgedunkelten Räumen. Zwischen den Aufhängevorrichtungen lässt man genügend Platz um bequem nach dem Tabak sehen und ihn bei Bedarf umhängen zu können. An den Balken oder Latten schlägt man bereits vor der Ernte im Abstand von 20 cm Nägel ein, leicht schräg nach oben, nicht waagerecht.

Trocknungseinrichtung

einfaches Trocknungsgestell
einfaches Trocknungsgestell
Für einen einfachen Trockenschuppen genügt folgende Konstruktion: An der Rückwand einer Mauer werden 2–3 m lange kräftige Pfähle befestigt, parallel dazu in einem Abstand von 1,5–3 m weitere Pfähle in den Boden eingerammt. Die vorderen Pfähle sind etwas niedriger als die hinteren, damit das Bretterdach – zweckmäßigerweise mit Dachpappe gedeckt – eine Neigung erhält. Die Pfähle werden längs mit starken Latten oder Stangen verbunden. So entstehen drei Aufhängeebenen im Abstand von je 80 cm. Auf jeder Ebene werden Aufhängerahmen für die Tabakschnüre eingerichtet, am besten mit einer Weite von einem Meter. In die Rahmenhölzer schlägt man Nägel im Abstand von 20 cm. Eine geschlossene Seitenwand ist nur auf der Wetterseite nötig, die übrigen Seiten bleiben offen. Das Dach soll mindestens 40 cm überstehen damit der Tabak bei Schrägregen trocken bleibt.

Schimmel und Dachfäule

Schimmel entsteht bei Regenwetter oder ungenügender Durchlüftung, besonders an Blättern mit starken Rippen oder unreifen Blättern. Maßnahme: befallene Blätter aus dem Gehänge nehmen, Schimmel mit einer weichen Bürste entfernen, an besonders luftiger Stelle wieder aufhängen. Auch bereits weitgehend getrocknete Blätter können noch befallen werden. Das ist jedoch nicht gefährlich, wenn man den Belag sofort beseitigt. Bei richtiger Fermentation werden Schimmelsporen weitgehend abgetötet und auch ein schwacher Schimmelgeruch verschwindet vollständig. Dachfäule ist ernster: befallene Blätter sofort aussondern und verbrennen, damit sich die ansteckende Fäule nicht weiter ausbreitet.

Dachreife

Die Dachreife ist nach etwa 4 bis 6 Wochen erreicht. Dann sind sowohl die Blattflächen als auch die Blattrippen vollständig trocken. Die Rippen müssen zusammengeschrumpft und hart sein. Rippen die noch fleischig wirken oder beim Drücken noch Saft enthalten (sogenannte Speckrippen) sind ein sicheres Zeichen, dass der Tabak noch nicht fertig getrocknet ist. Blätter mit Speckrippen sind für die Fermentation noch nicht geeignet. Richtig getrockneter Tabak lässt sich mit der Hand leicht zusammenballen und geht von selbst wieder auseinander. Ist der Tabak zu spröde geworden, muss man feuchte Witterung abwarten. Bei Regen oder Nebel zieht er genügend Feuchtigkeit an, um diese Eigenschaft zu erlangen. Nur in diesem mäßig feuchten Zustand darf abgehängt und fermentiert werden. Bei sehr hohen Außentemperaturen kann es vorkommen, dass der Tabak grün bleibt: das Chlorophyll wurde nicht abgebaut. In diesem Fall lässt man den Tabak noch einige Zeit hängen, damit er nachts Feuchtigkeit aufnehmen und tagsüber wieder abgeben kann. Er nimmt dann allmählich eine braune Farbe an. Ist die Jahreszeit zu weit fortgeschritten, kann auch grün gebliebener, aber trockener Tabak abgehängt werden. Er muss dann bei der Fermentation eine höhere Temperatur von 50–60 °C erhalten, wodurch das Chlorophyll abgebaut und in den erwünschten braunen Farbstoff umgewandelt wird.

Was ist Fermentation?

Bei der Fermentation (auch: Tabakvergärung) vollziehen sich unter Mitwirkung von Bakterien und Pilzen chemische Umwandlungen, die den Tabak zur Selbsterwärmung bringen. Gut fermentierter Tabak riecht wie Bratäpfel oder frisch gebackenes Brot. Unfermentierter Tabak brennt schlecht und ist unbekömmlich. Bei Erreichen der Temperaturgrenze von etwa 50 °C wird die Fermentation unterbrochen und der Stapel umgesetzt. Außenschichten kommen nach innen, Innenschichten nach außen. Nach zweimaligem Umsetzen erwärmt sich der Stapel nicht mehr, die umwandelbaren Stoffe sind verbraucht. Das Umsetzen dient außerdem der Gleichmäßigkeit: Die äußeren Schichten eines Stapels erwärmen sich nur schwach und sind kaum fermentiert, die inneren dagegen stark. Für die Fermentation muss der Tabak dicht gestapelt werden. Bei kleineren Mengen muss der Prozess durch eine äußere Wärmequelle angestoßen werden.

Wann fermentieren?

So rasch wie möglich nach der Trocknung. Jeder Tag zwischen Trocknung und Fermentation bedeutet Qualitätsverlust. Vor dem Fermentieren prüft man alle Blätter auf Speckrippen: diese dürfen nicht mehr vorhanden sein. Einzelne übertrocknete Blätter wickelt man über Nacht in feuchte Säcke und deckt sie ebenfalls mit feuchten Säcken ab.

Fermentation großer Mengen

Tabakfermentation im großen Stil
Tabakfermentation bei großen Mengen
In Betrieben, in denen die Tabakernte tonnenweise verarbeitet wird, kann die Fermentation aus eigener Kraft starten. Der Tabak wird in einem Fermentationsraum getrennt nach Grumpen, Sandblatt, Mittelgut, Hauptgut und Obergut aufgestapelt. Jeder Stapel hat eine Grundfläche von etwa 3 × 3 m. Die von den Trocknungsschnüren abgezogenen Büschel aus Tabakblättern werden mit den Rippenenden nach außen eng aneinandergesetzt, Blattspitzen nach innen. So ein Stapel erreicht maximal 2,5m Höhe. Beim Aufschichten wird auf halber Stapelhöhe ein Rohr eingebaut, das von außen bis zur Mitte reicht. Dadurch kann ein Thermometer eingeschoben werden. Die Fermentation setzt von selbst ein, und die Temperatur wird täglich kontrolliert. Sie darf beim Sandblatt bis 45 °C, beim Hauptgut und besonders bei Zigarrentabak bis 58 °C steigen.

Fermentation kleiner Mengen

Solche Mengen erreicht der Tabakanbauer im Eigenbedarf nicht. Sein Problem ist, dass die Wärme schneller aus dem kleinen Blätterhaufen entweicht als sie entsteht, eine Selbsterwärmung findet nicht statt. Außerdem trocknet der Tabak zu schnell aus. Beides verhindert die Fermentation. Die Lösung: Die Tabakpackung wird mit Isolierschichten umhüllt, durch Pressen und Beschweren verdichtet, und von außen erwärmt. Man kleidet eine geräumige Holzkiste an Boden und Wänden mit Stroh oder Holzwolle aus, baut den Tabak fest ein und beschwert den Deckel mit Steinen oder Ziegelsteinen. Traditionelle Methoden nutzten einen vergärenden Haufen Stroh, Grasschnitt oder Herbstlaub. Darin vergrub man eine Kiste seines Tabaks. Heute bieten sich elektrische Heizungen an, oder ein Standort der Kiste direkt an der Zentralheizung. Die gleichmäßige Außenwärme genügt, um den Fermentationsprozess einzuleiten und zu unterhalten. Die Fermentation ist beendet, wenn der Tabak keine Eigenwärme mehr erzeugt.

Fermentieren winziger Mengen

Variante 1 – Glas mit Wärmequelle Den getrockneten Tabak auf die gewünschte Breite schneiden, leicht anfeuchten mit zweiprozentiger Zuckerlösung oder Süßwein, dann fest in ein luftdicht verschließbares Glas pressen. Das verschlossene Glas zwei Tage bei 60 °C aufstellen. Danach den Tabak umschichten und das Glas weitere zwei Tage bei 50–60 °C in der Ofenröhre stehen lassen.
Variante 2 – Ofenrohr Ein mit Tabak gefülltes Gefäß mehrere Tage an ein nicht zu heißes Ofenrohr binden. Alle zwei Tage den Tabak herausnehmen, durchlüften, bei Bedarf leicht besprühen, wieder einpressen und erneut befestigen. Gesamtdauer: 6 Tage.
Variante 3 – Rollen Aus dem angefeuchteten, ungeschnittenen Tabak Rollen in Zigarrenstärke formen und wie in Variante 1 oder 2 behandeln. Beim Verbrauch schneidet man mit einem scharfen Messer den jeweils benötigten Bedarf ab.
Variante 4 – Körperwärme Die einfachste Methode überhaupt: dünne Tabakrollen in undurchlässigen Stoff einwickeln und ein bis zwei Wochen täglich in der Hosentasche tragen. Nachts legt man die Rolle in den Strohsack. Keine Wärmequelle, keine Hilfsmittel – nur Geduld.

Das Beizen

Das Beizen war bis um 1850 die übliche Methode zur Tabakveredelung. Zu einer Zeit, als man von der Fermentation noch wenig verstand. Heute gilt es beim Rauchtabak als überholt: ein gut fermentierter Tabak braucht keine künstliche Nachbehandlung. Für den Selbstversorger kommt das Beizen daher nur als Notmaßnahme in Frage. Um eine Ernte zu retten, die sonst unbrauchbar wäre: grün geernteter Tabak, Tabak der auf der Zunge beißt, schlecht brennt oder anderweitig missraten ist.
Die nachfolgende Rezeptur entspricht einem historischen Verfahren zur Tabakbehandlung und spiegelt den Wissensstand der 1940er Jahre wider. Aus heutiger Sicht ist bei derartigen Zusätzen Vorsicht geboten. Salze wie Kalisalpeter können beim Verbrennen zur Bildung von Stickstoffoxiden beitragen und die Entstehung bestimmter krebserregender Verbindungen im Tabakrauch begünstigen. Konservierungsstoffe wie Natriumbenzoat können sich unter starker Hitze ebenfalls zersetzen und weitere problematische Stoffe bilden.
Die folgende Beize ist daher ausschließlich als historisches Beispiel zu verstehen. Eine Anwendung ist aus heutiger Sicht nicht zu empfehlen.

Die Beizlösung für 10 kg Tabak:
Grundlösung:
  • 1 Liter Wasser
  • 0,5 Liter Weinessig
  • 0,5 Liter dunkler französischer Rotwein
  • 125 g Honig
  • 250 g Zucker
  • 20 g Kalisalpeter
  • 30 g benzoesaures Natron
Absud:
  • 1 Liter Wasser
  • 60 g gedörrte Pflaumen oder Zwetschgen
  • 125 g Rosinen oder Korinthen
  • einige Lorbeerblätter
  • 10 g Wacholderbeeren
  • Fenchel oder Anis
1
Absud separat kochen, 1 Stunde. Dann durch Leinentuch seihen und auf 1 Liter auffüllen
2
Absud nach dem Erkalten mit der Grundlösung vermischen
3
Je 5 Tabakblätter zusammenbinden und 4 Stunden in die kalte Beizlösung tauchen.
4
Abtropfen lassen, in ein leinenes Tuch einschlagen, pressen und einen Tag lang an einem warmen Ort unter Druck stehen lassen.
5
Sobald der Tabak nicht mehr nass ist, weiterverarbeiten.
6
Alternativ genügt auch ein einfaches Besprühen des bereits geschnittenen Tabaks mit der Beizlösung.
7
Kochsalz wird in alten Rezepten oft empfohlen: Es schützt zwar vor Schimmel, verhindert aber den guten Brand. Salz sollte man also besser weglassen.
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Tabak schneiden

Man verarbeite stets nur so viel Tabak wie man für einen halben bis ganzen Monat benötigt: Ganze Blätter halten sich besser als das fertige Schnittgut. Vor dem Schneiden muss der Tabak angefeuchtet werden: Blätter in ein feuchtes Tuch einschlagen bis Rippen und Blattfläche biegsam sind. Der Tabak muss sich knäueln lassen ohne zu bröckeln. Im Tabakhandwerk werden unterschiedliche Schnittarten unterschieden. Die Bezeichnungen beschreiben vor allem die relative Breite der Streifen; feste, allgemeinverbindliche Millimetergrenzen existieren jedoch nicht. Üblich ist folgende Einteilung:
Grobschnitt: deutlich breite Streifen, über 3,5 mm
Mittelschnitt: mittlere Streifenbreite, 2,25–3,5 mm
Krüllschnitt: feine, schmale Streifen, 1,75–2,25 mm
Feinschnitt: sehr feine, faserartige Streifen, unter 1,75 mm
Die Übergänge sind fließend und können je nach Betrieb oder Tradition leicht variieren. Für Grob- und Mittelschnitt kann die Hauptrippe im Blatt verbleiben. Für Krüll- und Feinschnitt müssen die Rippen entfernt werden. Entweder herausschneiden oder abreißen: Blatt mit der Oberseite nach oben legen, rechte Blatthälfte von der Spitze zum Blattgrund hin von der Rippe abreißen, dann Blatt wenden und die zweite Hälfte ebenso. Die einfachste Schneidemethode: angefeuchtete, entrippte Blätter zu einer Rolle formen, auf ein Hartholzbrett legen und mit scharfem Messer in der gewünschten Breite abschneiden. Als Schneidegerät eignen sich auch eine Nudelschneidemaschine oder ein Fotoschneidegerät. Wer die fünf Teilernten getrennt getrocknet hat, kann jede Qualität separat schneiden und dann nach Geschmack mischen.

Rösten

Den frisch geschnittenen, noch feuchten Tabak auf einer mäßig heißen sauberen Eisenplatte oder in einer Emailschüssel über kochendem Wasser unter ständigem Wenden leicht rösten bis er gerade noch feucht ist. Dann auf Papier erkalten lassen und in die Vorratsdose füllen. Das Rösten verteilt die Feuchtigkeit gleichmäßig und erhöht die Haltbarkeit.

Soßieren

Wer nicht gebeizt hat, kann den fertigen Tabak vor dem Rösten leicht soßieren: Mit einem Zerstäuber besprühen, so dass er feucht aber nicht nass wird. Mögliche Flüssigkeiten sind Zuckerwasser oder Honigwasser, Johannisbeer- oder Stachelbeerwein.

Bei beißendem Tabak: Essig, zur Hälfte mit Zuckerwasser verdünnt (der Essiggeruch verfliegt)
Bei schlecht brennendem Tabak: 2 g Kalisalpeter auf 100 ml Flüssigkeit
Wer Wert auf Aroma legt: getrockneter und fein geschnittener Waldmeister, Rosenblütenblätter oder Lavendelblüten können dem fertigen Tabak beigemischt werden. Den soßierten Tabak in einen Steinkrug oder ein Einmachglas pressen, mit einem Stein beschweren und 8 Tage in Herdnähe stehen lassen. Danach auf unbedrucktem Papier ausbreiten bis die überschüssige Feuchtigkeit verdunstet ist, dann noch leicht feucht in die Vorratsdose füllen.

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Fachliteratur & Quellen

Chr. Rätsch: Schamanenpflanze Tabak

Wenn der einzige (mir bekannte) neuzeitliche Schamane ein Buch über den Tabak schreibt, dann ist die Empfehlung schonmal sicher.
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Bronco Schubert: Tabak: Vom Eigenanbau zur Verarbeitung

Falls mein Artikel Dir noch nicht gereicht hat, geht es hier noch ein Stück tiefer in die Materie.
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  • König, Paul (1946). "Tabak-Kleinanbau. Anleitung für den Anbau, das Ernten, Trocknen, Fermentieren, Beizen und das Verarbeiten von selbsterzeugtem Tabak zum Eigenverbrauch" In: Hannover.

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