Mein Vater wurde nach dem Krieg als kleiner Junge in den Ferien regelmäßig aufs Land geschickt.
In der Stadt war die Versorgung mit Lebensmitteln und selbst mit Trinkwasser noch sehr schlecht;
die Landbevölkerung konnte sich weit besser selbst versorgen. Dort hatte er einen netten Onkel,
der eigentlich kein richtiger Onkel war. Bei ihm beobachtete er Jahr für Jahr den Tabakanbau im
Hausgarten. Dieser Onkel verstand es, den Tabak fachgerecht zu fermentieren und
weiterzuverarbeiten, mit speziellen Handwerkzeugen, die man dafür brauchte. Die ganze Pflanze
wurde genutzt, sogar die holzigen Stiele. Und weil kein anderes Papier zum Zigarettendrehen zur
Hand war, nahm man eben Zeitungspapier.

Ertrag und Mengenschätzung
Zum Eigenbedarf ist der Anbau von Tabak in Deutschland erlaubt. Strafbar macht man sich erst bei Handel oder gewerblicher Verwendung. Eine Obergrenze an Pflanzen hat der Gesetzgeber nicht definiert. Wie viele Pflanzen braucht man also? Als Faustregel gilt: Pro Pflanze kann man nach der Trocknung etwa 50 Gramm Tabak erwarten, also rund 1 Gramm pro Woche übers Jahr gerechnet. Wer seinen Wochenbedarf kennt, weiß damit auch wie viele Pflanzen er anbauen muss: Z.B. 200 Pflanzen ergeben 200g Tabak pro Woche.
Historischer Hintergrund

Tabakarten und Sorten
Von über 60 bekannten Tabakarten kommen für den Anbau nur zwei in Frage: Nicotiana tabacum (meist rosa blühend) und Nicotiana rustica (gelbblühend, auch Bauerntabak genannt). Nicotiana sylvestris und Nicotiana affinis sind Ziertabake und scheiden als Gebrauchstabak aus. Innerhalb dieser Arten existieren zahlreiche Züchtungen, deren Eigenschaften stark variieren. Die Sortenwahl richtet sich nach Bodenart und Verwendungszweck. Da sich Sortennamen und Züchtungen im Laufe der Jahrzehnte stark verändern, ist es wenig sinnvoll, sich auf einzelne Bezeichnungen festzulegen. Der Kleinpflanzer beschränkt sich sinnvollerweise auf eine einzige Sorte und erzielt unterschiedliche Qualitätsstufen durch bis zu fünf getrennte Teilernten.
Aufbau und Inhaltsstoffe des Tabakblatts
Chlorophyll: Riecht beim Verbrennen unangenehm und muss bei Trocknung oder
Fermentation abgebaut werden. Dabei entstehen braune sowie die gelben Farbstoffe Carotin und
Xanthophyll, die beim Verbrennen nicht stören. Eine gelbe Farbe des getrockneten Tabaks ist für
Pfeifen- und Zigarettentabak nicht nur unbedenklich, sondern erwünscht.
Harze und Wachse: Machen das Blatt klebrig; durch Fermentation entstehen daraus Aromastoffe.
Zucker: Bei Pfeifentabak erwünscht, bei Zigarettentabak nicht.
Eiweißstoffe: Je unreifer das Blatt, desto mehr Eiweiße sind enthalten.
Die Fermentation wandelt sie in angenehm schmeckende Verbindungen um.
Nikotin ist das wichtigste Alkaloid. Deutscher Tabak enthält im Durchschnitt
1,5 % Nikotin, gebunden an Apfel-, Zitronen- oder Weinsäure; nicht als freies Nikotin.
Wasser: Das frische Blatt enthält 80–90 % Wasser, nach der Trocknung noch
12–20 % Restfeuchte.
Mineralstoffe: Kalium, Natrium, Calcium, Eisen, Magnesium, Phosphor, Schwefel,
Chlor, Kieselsäure u. a.
Klima
Junge Pflänzchen überstehen kurze Fröste bis −3 °C; reife Pflanzen erleiden bereits bei +2 °C Frostschäden. Im Frühjahr erst auspflanzen wenn keine Nachtfröste mehr drohen. Bei drohendem Herbstfrost Blätter sofort ernten und einfädeln. Beim Hängen schadet Frost kaum noch.
Der Boden
Die Tabakpflanze stellt keine engen Anforderungen an die Bodenart. Ob sandig oder lehmig ist weitgehend gleichgültig, sofern der Boden gut gelockert und krümelig ist. Guter, normal gedüngter Gartenboden ist für den Kleinanbau gut geeignet. Ein ideal vorbereiteter Boden federt beim Darüberschreiten wie ein weicher Teppich. Zwei Bedingungen sind unverhandelbar: Keine Staunässe (Die Tabakwurzeln faulen bei stehendem Wasser. Das Grundwasser soll mindestens einen Meter tief liegen.) Keine Fäkaldüngung: Lässt Tabak unreif bleiben und erhöht Eiweiß- und Nikotingehalt.
Düngung
Stallmist wird im Spätherbst ausgebracht und sofort untergegraben. Frischer Mist muss erst auf einem Haufen vergären, bevor er eingearbeitet wird. Das gilt besonders für Ziegen-, Geflügel- und Kaninchenmist, der sonst dazu führt dass der Tabak zu spät ausreift. Großtiermist ist stets vorzuziehen. Das Begießen mit in Wasser gelösten tierischen Exkrementen ist zu unterlassen.
Kali ist für die Tabakpflanze besonders wichtig. Schwefelsaures Kali, ca. 10 g je Pflanze. Chlorkali und 40-prozentiges Kalisalz sind ungeeignet. Holzasche ist als Kalidünger möglich, muss aber ein bis zwei Monate vor dem Setzen eingearbeitet werden, da sie sonst die Wurzeln der Jungpflanzen verätzt.
Phosphor: 5 g Superphosphat oder Thomasmehl je Pflanze, ist günstig, aber nicht zwingend erforderlich.
Kalk: Saure Böden können mit kohlensaurem Kalk gedüngt werden, maximal 25 kg je 50 m². Die Gabe gehört in den Herbst oder Winter vor der Anbausaison.
Stickstoff: Nach Bohnen oder Erbsen im Vorjahr sollte man keinen Stickstoffdünger verwenden. Die Frage der Fruchtfolge ist ansonsten ohne Bedeutung.
Bodenvorbereitung
Nach der Herbstdüngung und dem Umgraben überlässt man den Boden dem Frost. Mitte bis Ende April erneut umgraben – nicht zu tief, damit die nährstoffreiche Oberkrume nicht nach unten verlagert wird. Wenige Tage vor dem Setzen lockert man den Boden nochmals mit der Hacke auf. Keinen Platz neben Kohlpflanzen, Hecken oder Rasenflächen wählen (dort droht starker Schneckenbefall).
Tabaksamen
Ein Gramm Saat enthält 10.000 bis 14.000 Samen. Gute Saat keimt zu 80 %. Man verwendet dennoch stets ein Mehrfaches der benötigten Menge, da nur die kräftigsten Setzlinge ausgewählt werden. Mehrere Sorten gleichzeitig auszusäen oder ein Sortengemisch zu verwenden ist nicht empfehlenswert. Tabaksamen bleibt in trockenen Glasgefäßen oder Pappschachteln jahrelang keimfähig. Tabaksamen sind frei erhältlich und können sowohl über spezialisierte Onlineanbieter als auch im örtlichen Gartenfachhandel bezogen werden. Die Kosten variieren je nach Sorte und Marktverfügbarkeit. Üblicherweise bewegt sich der Preis für eine Portion von etwa 500 Samen im Bereich von rund zwei bis vier Euro.
Saatbeet herrichten
Eine Holzkiste von 40 × 50 cm genügt für 200 Setzlinge (auf 1 m² lassen sich bis zu 1.000 brauchbare Setzlinge heranziehen). Kastenaufbau von unten: Eine Lage Kieselsteine als Drainage, dann feuchte Humus- oder Gartenerde bis zwei Drittel der Höhe (mind. 15 cm Kastentiefe). Düngung ist nicht erforderlich. Die Erde wird leicht angedrückt und sorgfältig geebnet. Glasscheibe auflegen, warm und sonnig aufstellen.
Aussaat
Ab Mitte März wird der Tabaksamen ausgesät. Da er ein Lichtkeimer ist, darf er nicht mit Erde bedeckt werden, nur hauchdünn mit feinem Humus abdecken. Damit die winzigen Samen gleichmäßig verteilt werden, mischt man sie vor der Aussaat mit trockenem Sand, Kreidepulver oder Sägemehl. Täglich mit lauwarmem Wasser sprühen. Die Oberfläche darf nie austrocknen. Die Mindesttemperatur für die Keimung liegt bei +10 °C.
Pflege der Setzlinge
Zweimal täglich besprühen. Sobald die Pflänzchen etwa 5 Blätter angesetzt haben, beginnt man mit der schrittweisen Lüftung: zunächst eine halbe Stunde täglich, dann eine Stunde, schließlich wird die Glasplatte für längere Zeiträume abgenommen. So verhindert man dass die Pflänzchen ins Kraut schießen und verhindert Hitzestau unter Glas. Die Temperatur sollte bei etwa 15 °C liegen, darf 30 °C nicht wesentlich überschreiten und soll nicht unter 10 °C sinken.

Pikieren

Auspflanzen ins Freiland
Etwa 8 Wochen nach der Aussaat tragen die satzreifen Pflänzchen etwa 8 Blätter und sind vom
Boden gemessen rund 8 cm hoch. Ausgewählt werden nur kräftige, gesunde Pflanzen mit weißen,
intakten Wurzeln. Schwache, vergeilte oder verkrüppelte Exemplare scheiden aus. Man greift stets
zuerst zu den größten und bestentwickelten Pflanzen.
Vor dem Herausnehmen der Setzlinge wird das Saatbeet kräftig gegossen damit beim Ziehen möglichst
wenige Wurzeln abreißen. Die Herzblättchen dürfen dabei nicht angefasst oder beschädigt werden,
sonst entstehen Missbildungen.
Der Tabak gedeiht am besten windgeschützt, an Hauswänden auf der Südseite oder an Bretterzäunen.
Wind steigert die Wasserverdunstung erheblich und verhindert dass die Blätter ihre volle Größe
erreichen; bei starkem Wind können Blätter knicken und zerfetzen. Nordlagen sind zu meiden.
In ungeschützter Lage kann man die Tabakpflanzen in den Windschatten von Stangenbohnen oder
Körnermais stellen.
Pflanzabstand: 50 × 50 cm oder 40 × 40 cm.
Man pflanzt auf feuchten, niemals auf nassen Boden. Die Wurzeln müssen senkrecht in den Boden
kommen und gut angedrückt werden. Die Pflänzchen werden so tief gesetzt, dass der untere
Stängelbereich bis zum Ansatz der unteren Blätter mit Erde bedeckt ist: das fördert die
Wurzelbildung erheblich. Vor dem Setzen prüft man die Pflanzstelle auf Drahtwürmer und andere
Bodenschädlinge.
Pflege
Nach dem Auspflanzen zeigen die Setzlinge zunächst Welkeerscheinungen. Das ist völlig normal und tritt an feuchten Tagen kaum auf. Die Pflanzen wachsen rasch an.
Hacken ist die wichtigste Pflegemaßnahme in dieser Phase. Der Boden wird regelmäßig aufgehackt, ohne dabei Wurzeln zu verletzen oder Erde auf die Blätter zu bringen. Zweck des Hackens: Bodenlockerung, Sauerstoffzufuhr, Feuchtigkeitserhalt und Unkrautbeseitigung. Erstes Hacken: sobald die Pflanzen angewachsen sind, spätestens 10 Tage nach dem Setzen. Zweites Hacken 10 Tage später, drittes Hacken nach weiteren 2 Wochen. Bei jedem Hacken wird etwas Erde an die Pflanze
herangezogen.
Das Anhäufeln erfolgt, sobald die Pflanze etwa 30 cm hoch ist. Zweck ist es, der Pflanze Halt zu
geben und die Bildung neuer Seitenwurzeln am Wurzelhals und unteren Stängelbereich anzuregen.
Man hält die Blätter oben vorsichtig zusammen und zieht den Boden an die Pflanze
heran, möglichst hoch. Auf die untersten zwei kleinen Blätter braucht dabei keine Rücksicht
genommen zu werden. Empfehlenswert ist das Dammhäufeln, also das Anhäufeln ganzer Pflanzenreihen
statt einzelner Pflanzen. Die Erddämme sollen hochgewölbt sein und steile Wände haben, im
Querschnitt also keine flache Dreiecksform.
Gießen ist bei Trockenheit für junge Pflanzen notwendig. Nach dem Anhäufeln wird nur noch bei
starker Dürre gegossen
Köpfen
Das Köpfen unterbricht den Nährstoffstrom zu den Blüten und lenkt ihn in das
Blattwachstum um . Die Blätter werden dadurch länger und breiter.
Pfeifentabak: Köpfen wenn sich etwa 5 Blüten entfaltet haben. Der Blütenstand
wird 10 cm unterhalb des untersten Blütenzweiges abgebrochen oder abgeschnitten.
Zigarettentabak: Köpfen bereits beim Aufbrechen der ersten Blüten,
Schnittlinie 15 cm unterhalb des untersten Blütenzweiges.
Die obersten kleinen Blättchen dürfen dabei ruhig mitentfernt werden, sie würden ohnehin nicht
mehr ausreifen. Nach dem Köpfen soll die Pflanze durchschnittlich 16–18 Blätter tragen.
Geizen

Blattreife und Ernteeinteilung

1. Grumpen (unterste kleine Blätter): Reifen als erste, oft schon kurz nach
dem Köpfen, erkennbar an gelber oder brauner Färbung. Sie werden jedoch von den darüberliegenden
Sandblättern verdeckt und sind ohne deren Beschädigung nicht erreichbar. Man wartet daher, bis die
untersten drei Sandblätter gelbe Flecken an den Blattspitzen zeigen und erntet diese zuerst . Dann
lassen sich die Grumpen leicht greifen. Wer Zigarrentabak anbaut, sollte die Grumpen wenn möglich
vor den Sandblättern pflücken: sie liefern wertvolle Deck- und Umblätter. Grumpen trocknet man
separat auf dem Dachboden, durch öfteres Wenden von Sand und Staub befreit. Eingefädelt werden
sie nicht.
2. Sandblätter (untere große Blätter): Zeigen gelbe Flecken an den
Blattspitzen als Reifezeichen. Noch am selben Tag einfädeln und zum Trocknen aufhängen. Bereits
ganz gelbe Sandblätter gelten als überreif und trocknen schnell: sie ergeben einen besonders
hellen Rauchtabak.
3. Mittelgut: Reift etwa 8 Tage nach den Sandblättern. Erkennbar an leichter Gelbfärbung an den Blatträndern.
4. Hauptgut (alle verbleibenden Blätter bis auf die obersten zwei): Reift 2–3 Wochen nach dem Mittelgut. Mittlerweile ist es Ende August oder Anfang September. Reifezeichen sind hellgelbgrüne Flecken auf der Blattfläche.
5. Obergut (die obersten zwei Blätter): Bleibt am längsten am Stängel, bis auch hier Reifezeichen sichtbar werden.
Nachtabak: Die letzten Blätter zeigen vor Frosteinbruch oft keine deutlichen
Reifezeichen mehr. Sind Pflanzen umgefallen oder beschädigt, erntet man ohne auf volle Reife zu
warten. Lieber mäßige Qualität als gar nichts.
Erntezeit und Bedingungen
Etwa 14 Tage nach dem Köpfen können die untersten Blätter, die Grumpen (eventuell auch das Sandblatt) geerntet werden. Eine günstige Bedingung ist trockenes Wetter. Die Ernte darf in den Morgenstunden beginnen, sobald die Blätter taufrei sind. Nach einem Regen muss man warten, bis die Blätter völlig abgetrocknet sind: nasse Blätter verderben bei der Trocknung leicht und führen zur gefürchteten Dachfäule. Das Sandblatt wird nur vormittags geerntet. Denn tagsüber bildet sich in den Blättern erneut Stärke, die erst nachts wieder abgebaut wird: morgens ist der Stärkegehalt am niedrigsten.
Erntetechnik
Das Blatt wird am Blattgrund (also am Rippenende) gefasst und durch einen seitlich ausgeführten Ruck abgebrochen, nicht von oben nach unten. So wird verhindert, dass Teile der Stengelrinde mit herausgerissen werden. Die gepflückten Blätter legt man mit der Oberseite nach unten (also Rippen nach oben) zum leichten Anwelken auf dem trockenen Boden ab. Nach einigen Stunden bringt man sie gebündelt nach Hause zum Einfädeln. Bei feuchtem Wetter lässt man die Blätter nicht draußen liegen, das Anwelken geschieht dann unter Dach. Zuhause werden die Tabakbündel sofort aufgestellt, mit den Rippenenden nach unten, am besten auf Sackleinwand.
Weiterlesen
Mit dem Pflücken der Blätter war die Arbeit im Garten getan. Doch die bloße Ernte machte aus den grünen Blättern noch lange keinen rauchbaren Tabak. Damit das Geerntete sein Aroma entwickelte, folgte nun der handwerklich anspruchsvollere Teil in der Scheune oder auf dem Dachboden. Dort begann ein präziser Prozess des Trocknens und Fermentierens, bei dem jeder Handgriff sitzen musste. Wie man die Blätter fachgerecht für die Trocknung vorbereitet, beschreibe ich im nächsten Teil: Die Verarbeitung. Vom Einfädeln bis zum fertigen Tabak ↗
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Fachliteratur & Quellen
Chr. Rätsch: Schamanenpflanze Tabak
Bronco Schubert: Tabak: Vom Eigenanbau zur Verarbeitung
- König, Paul (1946). "Tabak-Kleinanbau. Anleitung für den Anbau, das Ernten, Trocknen, Fermentieren, Beizen und das Verarbeiten von selbsterzeugtem Tabak zum Eigenverbrauch" In: Hannover.
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