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Illustration zum Thema: Wolle nach dem Waschen auflockern, schlagen & einschmalzen

Wolle auflockern und einschmalzen

👤︎ Fabian Peise📅︎ 06.08.2026⏱ 5 Minuten Lesezeit

Nach der Wäsche ↗ ist die Wolle zwar sauber, enthält jedoch noch viel Feuchtigkeit. Bevor sie sich kämmen oder kardieren lässt, durchläuft sie mehrere weitere Arbeitsschritte: erst das Trocknen, dann das mechanische Auflockern und schließlich das Einschmalzen.

Trocknen

Wolle trocknen
getrocknet wird immer im Schatten
Im Sommer lässt man die Wolle 24 h abtriefen, im Winter braucht es drei Tage. Es sei denn man möchte sie noch färben, dann kann sie gern feucht weiterverarbeitet werden. Das eigentliche Trocknen der abgetropften Wolle erfolgt grundsätzlich im Schatten. Ein Detail, das in nahezu jeder historischen Anleitung nachdrücklich betont wird. Während des Trocknungsprozesses wird die Wolle von Zeit zu Zeit gewendet und aufgelockert.

Schwefeln (Bleichen)

Wo reinweiße Wolle als Handelsware verkauft wurde, trieb man im 18. und 19. Jahrhundert den natürlichen Gilb mitunter gern mit Schwefel aus, um den Marktwert zu steigern. Es gab einen Bedarf an weißen Wollprodukten, besonders an weißem Flanell für Unter- und Hauskleidung, außerdem an weißen Wollbändern, Besätzen und Futterstoffen. In einem strahlenden Weiß, das die Natur so nicht kennt. In der häuslichen Wollverarbeitung spielte ein solcher Aufwand natürlich keine Rolle.

Eine Quelle von 1802 beschreibt das traditionelle Schwefeln: Die feuchte Wolle wird dazu auf Stangen in eine dicht verschlossene Kammer gehängt. Am Boden streut man zerstoßenen Schwefel auf glühende Kohlen in irdenen oder eisernen Gefäßen. Durch das aufsteigende Schwefeldioxidgas verliert die Wolle ihre Schattierung und bekommt ein optisch brilliantes Weiß.

Die Behandlung schädigt allerdings die Faser.

Wolle schlagen

Wollschläger
ein Wollschläger im 18. Jahrhunndert
Nach dem Trocknen ist die Wolle verdichtet und muss erst wieder aufgelockert werden. Den ersten Schritt übernimmt der sogenannte Wollschläger auf einer Horde, einem Rahmengitter aus Holzlatten oder Seilen, das auf zwei Böcken ruht. Auf diesem Rost werden jeweils etwa drei Kilogramm Wolle ausgebreitet und mit daumendicken Stöcken geschlagen. Dadurch lockern sich die Fasern, und der verbliebene Staub fällt nach unten durch das Gitter. Dieses Verfahren öffnet und belüftet die verklebten Schichten und bildet zugleich die dritte Reinigungsstufe: Nach dem Auswaschen von Schweiß und Fett werden hier die festsitzenden Pflanzenteile mechanisch entfernt. Dennoch sollte man sich nicht wundern, wie viel Unrat erst später, beim Kämmen oder Kardieren aus dem Material herausfällt.

Flocken oder Auslesen

Auszupfen der Wolle per Hand
Auszupfen der Wolle per Hand
Nach dem Schlagen wird die Wolle den Ausleserinnen übergeben. Sie ziehen die verbliebenen, verklebten Haarlocken in sorgfältiger Handarbeit auseinander, ohne dabei die einzelnen Fasern zu zerreißen. Dies bildet die entscheidende Vorbereitung, ohne die die nachfolgende Weiterverarbeitung nicht auskommt.

Fachen mit dem Wollbogen

Fachbogen
Wollbogen im Detail
Wenn die Wolle durch das Schlagen oder Zausen bereits grob geöffnet ist, schloss sich in manchen Betrieben das Fachen mit dem Wollbogen bzw. Fachbogen an:

Der Fachbogen ist eine mit Darmsaite bespannte Stange, die mit einem Schlagholz zum Schwingen gebracht und dann in eine abgewogene Menge Wolle auf der Fachtafel gehalten wird, sodass diese aufwirbeln und sich als gleichmäßiger Fasernebel in einer flaumigen Schicht absetzen. Das hat unter anderem auch einen Reinigungseffekt: Der Bogen befreit die Wolle von allen Unreinigkeiten. Typisch ist eine Länge um 2 m, an einer Schnur mit Gegengewicht von der Decke hängend. Ein sehr langer Bogen wäre freihändig gar nicht zu führen; erst die Aufhängung an der Schnur, die das Eigengewicht trägt, macht so große Ausführungen ergonomisch nutzbar. Doch es gab auch kurze, etwa 60cm lange Exemplare mit einem Handgriff. Die Länge der schwingenden Darmsaite bestimmt die Schwingfrequenz und die Kraft pro Schlag.

Das Werkzeug ist vor allem bei den Hutmachern bekannt, die die kürzeren Versionen bevorzugten: Für die feine, kostbare Tierhaar-Charge des Hutmachers (Biber-, Kaninchenhaar für Filzhüte) ist genau die kleinere, sanftere, hochfrequente Auslenkung von Vorteil. Man will die zarten Haare auflockern und sortieren, nicht mit Wucht zerschlagen. Die kleinere Menge pro Fach macht die große Kontaktfläche eines langen Bogens auch schlicht unnötig.

langer Fachbogen
Fachbogen von 3 oder 4m Länge
Der Tuchmacher bevorzugt dagegen die langen Ausführungen: Die Saite schwingt langsamer, aber mit kräftigerem, weiter ausholendem Schlag. Jeder einzelne Kontakt mit der Wolle überträgt mehr Bewegungsenergie, und die ist notwendig für grobe, verfilzte, noch schmutzige Rohwolle.

Einschmalzen

Nachdem der Wolle durch die gründliche Wäsche ihr natürliches Wollfett vollständig entzogen wurde, sind die Fasern spröde und trocken. Um sie für die nachfolgende Verarbeitung wieder geschmeidig und elastisch zu machen, muss sie künstlich gefettet werden: man schmalzt sie ein. Dazu wird die Wolle gleichmäßig mit Pflanzenöl besprengt und eine Zeit lang ruhen gelassen, damit das Öl gründlich einziehen kann. Als Schmalzmittel dienten Öle wie Raps-, Oliven-, Buchecker- oder Mohnsamenöl. Das übliche Mengenverhältnis lag bei etwa 25 Gewichtsteilen Öl auf 100 Gewichtsteile Wolle für Kettgarne, und bei 15:100 bis 20:100 für Schussgarne.

Dieses zugesetzte Fett verbleibt während des gesamten Spinn- und Webprozesses ↗ im Material und schützt die Faser vor dem Zerbrechen. Erst nach dem Webstuhl, beim anschließenden Walken ↗ und Waschen des fertigen Tuchs, wird das Öl wieder vollständig ausgewaschen.

Entscheidung über die weitere Verarbeitung: Kämmen oder Kardieren?

An diesem Punkt entscheidet sich, welches Endprodukt aus der vorbereiteten Wolle entstehen soll. Je nach Fasertyp und Verwendungszweck schlägt das Handwerk zwei grundsätzlich unterschiedliche Wege ein:

Die Zeugmacherei (Kammwolle)

Zeugmacher verarbeiten lange Wollfasern durch Kämmen zu sogenannter Kammwolle. Beim Kämmen werden die langen Fasern parallel ausgerichtet und die kurzen herausgefiltert. Aus diesem Ausgangsmaterial entsteht ein glatter, fester und gleichmäßiger Faden (Kammgarn). Das daraus gewebte Gewebe, das sogenannte Zeug, wird anschließend gar nicht oder nur sehr leicht gewalkt. Die Webstruktur bleibt vollkommen sichtbar, und das Ergebnis ist ein vergleichsweise dünner, leichter und strapazierfähiger Stoff. Den herausgekämmten Kurzwollanteil, die Kämmlinge, gibt der Zeugmacher an den Tuchmacher weiter.

Die Tuchmacherei (Krempelwolle)

Tuchmacher arbeiten mit Krempelwolle (kardierter Wolle). Hierbei streichen die feinen Häkchen der Handkarden die kürzeren Fasern durch, trennen sie voneinander und legen sie in eine gemeinsame Längsrichtung. Durch diese Vororientierung entsteht ein gleichmäßiger, flauschiger Krempelflor, der zu einem lockeren, luftigen Garn (Streichgarn) versponnen wird. Das daraus gewebte Tuch wird nach dem Weben intensiv gewalkt und gezielt verfilzt. Die ursprüngliche Webstruktur verschwindet dabei vollständig. Es entsteht ein dichter, schützender, warmer und oft flauschig aufgerauter Stoff: das klassische, hochwertige Wolltuch für schwere Röcke und Mäntel.

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  • May, Georg (1868). "Das Schaf. Seine Wollen, Racen, Züchtung, Ernährung und Benutzung des Schafes"
  • Dioskurides "De materia medica" Link zur Quelle
  • Anonym (1765). "Nachricht von denen Manufacturen derer Tücher und anderer wollener Zeuge" Link zur Quelle
  • Marperger, Paul Jacob (1723). "Ausführliche Beschreibung Des Zeugmacher-Handwercks" Link zur Quelle
  • Marperger, Paul Jacob (1723). "Beschreibung des Tuchmacher-Handwercks" Link zur Quelle
  • Duhamel du Monceau, Henri Louis (1766). "Die Tuchermacherkunst vornehmlich in feinen Tüchern" Link zur Quelle
  • Wagner, Johann Philipp (1828). "Über Merino-Schafzucht" Link zur Quelle
  • Anonym (1524). "Eyn gesprech, von dem gemaynen Schwabacher Kasten als durch brůder Hainrich, Knecht Ruprecht, Kemerin, Spůler, vñ jrem Maister, des Handt|wercks der Wüllen Tůchmacher" Link zur Quelle
  • von Reden (1834). "Über Kammwolle, Kammgarn-Spinnerei und kammwollene Zeuge" Link zur Quelle

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