
Landläufig spricht man oft vom Totholzzaun. Doch dieser Name täuscht: Das aufgeschichtete Holz ist keineswegs tot, sondern beherbergt vielfältiges Leben. Und manch geschichteter Ast treibt bei Erdkontakt sogar wieder aus. Dieser Zaun ist somit lebendiger als jeder klassische Latten- oder Flechtzaun. Die Bezeichnung Packzaun trifft es daher viel besser.
Wofür wir den Zaun brauchten

Ein solcher Packzaun eignet sich für offenes Gelände, nicht für den Kleingarten. Nicht zuletzt, weil er mit gut einem halben Meter Dicke schon recht raumgreifend ist. Während ein Flechtzaun aus ausgesuchten, biegsamen Gerten oft kunstvoll gefertigt wird und als Blickfang dient, ist dieser vollgepackte Reisigwall ein reines Nutzbauwerk ohne dekorative Ansprüche.
Packzaun oder Benjeshecke?

Das Konzept der Benjeshecke zielt auf ein lebendiges Gehölz ab. Der anfangs dicht gepackte Wall wird sich selbst überlassen. Vögel und Wind tragen Samen ein, Büsche treiben aus, und über die Jahre entsteht eine meterbreite Wildhecke: ein wertvolles Biotop für den Naturschutz.
Der Packzaun dient rein der Grundstücksabgrenzung. Er wird in den Folgejahren aktiv gepflegt und regelmäßig nachverdichtet. Spontanaufwuchs durch Anflugkeimlinge wird nur dort geduldet, wo er den Zaun nicht überwuchert oder beschädigt.
Das Material
Die Pfosten halten den ganzen Wall zusammen. Sie sollten deshalb aus relativ langlebigem Holz ↗ bestehen. Wir hatten Glück: An einer Straße in der Nähe wurden gerade etwa 50 junge Eichen gefällt. Das Grünflächenamt hatte die Stämme bereits auf etwa 1,50 m gekürzt. Manche Stämme waren armdick und ließen sich direkt als Pfähle anspitzen. Dickere Abschnitte haben wir aufgespalten ↗. Als Halblinge hatten sie genau das richtige Format zu einem Pfahl.
Für die Füllung eignet sich fast jedes Schnittgut: Obstbaumschnitt, Äste und mäßig dicke Baumstämme. Ideal sind Äste, deren Länge mindestens das Intervall zwischen zwei Pfahlsetzungen überbrückt. Zu kurze Zweige tragen nichts zur Stabilität bei, können aber dort sinnvoll eingeflochten werden, wo sich zwischen den Langhölzern größere Lücken auftun.
Was nicht hineingehört: krautige Pflanzenteile, erdige Wurzelstöcke, Laub und Rasenschnitt. Sie verrotten zu schnell, erzeugen Feuchtigkeit und verwandeln den Zaun in Kompost. Wir bauen schließlich einen Zaun, keinen Komposthaufen.
Die Pfähle zurichten und setzen
Die angespitzten und zum Teil gespaltenen Stammabschnitte haben wir im Dutzend vorbereitet, so weit wir an einem Sonntag mit dem Einsetzen der Pfähle kommen wollten.
Die Pfähle stehen in zwei parallelen Reihen mit etwa einem Meter Abstand zueinander. Ob man die Pfähle gegenübergestellt oder versetzt anordnet, ist Geschmacksache. Im freien Gelände ist ohnehin Flexibilität gefragt: Bodensenken, große Steine oder Wurzeln verhindern ein schnurgerades Raster wie auf dem Reißbrett.
Bäume, die genau auf der Linie des Zaunes standen, haben wir direkt als „lebendige Pfähle“ integriert. Im Gegensatz zu den anderen Pfählen verrotten die lebenden Pfähle nicht, und machen den Zaun pflegeleichter. Um auf solche Bäume zuzusteuern, folgt unser Zaun organisch den Gegebenheiten der Landschaft.
Einschlagen und Eingraben
Je nach Bodenbeschaffenheit werden die Pfähle etwa 30 bis 50 cm tief mit dem Vorschlaghammer eingerammt. Ein beigelegtes Hartholzstück auf der Schlagfläche verhinderte, dass die Pfahlköpfe durch die Hammerschläge aufplatzten. Wo steiniger Boden das Einschlagen unmöglich machte, haben wir ein Loch gegraben, auf der Sohle des Lochs weiter mit dem Hammer getrieben und das Loch danach wieder aufgefüllt.
Erst gegen Ende der Schufterei hatten wir Zugriff auf einen Erdbohrer. In Bereichen mit sandigem Untergrund war das eine große Hilfe.
Wie hoch kann der Zaun werden?
Die maximale Höhe eines solchen Zaunes ist durch das Einschlagen begrenzt. Je höher die Leiter sein muss, um den Hammer von oben auf die Pfähle zu schlagen, desto instabiler und gefährlicher wird das Unterfangen. Bei uns war die Entscheidung schon gefallen, denn die Pfahlhölzer waren auf etwa 1,50 m gekürzt. So konnten wir sicher vom Boden aus und teilweise nur mit einem einfachen Tritt gut arbeiten.
Ankohlen als Langzeitversuch
Das Ankohlen der Pfahlspitzen im Feuer ist ein alter handwerklicher Brauch zur Konservierung des Erdbereichs. Die Idee dahinter klingt einleuchtend: Die verkohlte Schicht enthält keine verwertbare Zellulose mehr und soll Pilzen sowie Holzschädlingen den Nährboden entziehen. Doch unter Holzschutz-Fachleuten ist die Methode für den Erdkontakt stark umstritten.
Skeptiker verweisen auf die Mikrophysik des Holzes: Durch die Hitzeeinwirkung entstehen in der Kohleschicht feine Risse. Im feuchten Erdreich wird die Kohleschicht dadurch zum Bumerang: Wasser dringt über die Risse in das Kernholz ein, kann unter der versiegelten Kruste nur schwer austrocknen und schafft ideale Bedingungen für Fäulnispilze.

Deshalb haben wir uns vor über 20 Jahren für ein eigenes Experiment im Sinne der experimentellen Archäologie entschieden: Die äußere Pfahlreihe unseres Packzauns besteht aus angekohlten Pfahlspitzen, die innere aus unbehandelten. Beide Reihen durchlaufen auf ihrer gesamten Länge dieselben Bodenzonen, und gegenüberliegende Spaltlinge stammen vom selben Baum.
Inzwischen sind über zwei Jahrzehnte vergangen. Das erstaunliche Ergebnis unseres Feldversuchs an der Schafweide: Nach wie vor stecken beide Pfahlreihen fest in der Erde, und in der Substanz gibt kein einziger Pfosten nach. Dass die angekohlte Reihe der unbehandelten im Verfall voreilt, konnten wir nach 20 Jahren ebenso wenig feststellen wie einen klaren Schutzvorteil.
Unser Fazit nach zwei Jahrzehnten: Man kann sich das Ankohlen getrost sparen. Der Aufwand an Zeit, Holz und Feuer steht in keinem Verhältnis zum Nutzen. Nicht jede althergebrachte Weisheit hält der empirischen Überprüfung stand. Diese traditionelle Methode lässt sich für den Zaunbau beruhigt ad acta legen.
Die Verfüllung einbringen
Beim Einbringen der Verfüllung empfiehlt es sich, die Äste und Zweige einzeln in vorhandene Hohlräume der Füllung einzuarbeiten, wie Vögel beim Nestbau. Das macht die Füllung nicht nur dichter. Die abgehenden Zweige verhaken sich dabei ineinander und geben dem Zaun seine Stabilität.
Im Gegensatz zur Benjeshecke, die locker geschichtet wird um Hohlräume als Rückzugsort für kleine Tiere zu lassen, packen wir unseren Zaun so dicht wie möglich. Ab und zu kann man auf die Äste steigen und alles heruntertreten. Oder man legt dicke Stammabschnitte auf, die alles nach unten pressen. Diese Stammabschnitte müssen nur lang genug sein, um an den Enden von zwei Pfählen gehalten zu werden, damit sie nicht herausfallen. Stabilität verleihen auch lange Äste und schlanke Baumstämme, die weit über den Abstand von zwei Pfählen hinausgehen und gleich drei, vier oder mehr Zaunpfosten überspannen.
Der Feinschliff: Kappen
Ist die Füllung komplett verdichtet, folgt der kosmetische Abschluss: Mit Säge und Heckenschere werden herausstehende Äste eingekürzt. Der Zaun soll seine definierte Breite von etwa einem halben Meter behalten und nicht breiter und breiter werden.
Stabilität und Langzeitpflege
In den Folgejahren wird der Zaun regelmäßig gepflegt und immer wieder nachgelegt. Gehölze, die durch Samenanflug aufgehen, dulden wir nur dort, wo sie die Konstruktion nicht überwuchern. Da die Packung aus Ästen mit der Zeit verrottet und Jahr für Jahr etwas absackt, können wir jedes Frühjahr frisches Schnittgut nachlegen.
Sollten die Pfosten eines Tages im erdnahen Bereich vermodern und dem Druck der Packung nicht mehr standhalten, lassen sie sich punktuell durch frische Eichenpfähle ersetzen.
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