Denkfalle Pottasche: Was moderne Chemiker falsch verstehen
Der heutige Sprachgebrauch definiert Pottasche als Kaliumcarbonat (K₂CO₃). Genau diese chemische Präzision ist die Denkfalle in Bezug auf historische Anwendungen. Der alte Name "Pottasche" wurde erst 1789 durch Antoine Lavoisier auf ein spezifisches Kaliumsalz bezogen.
Seit der Antike war Pottasche einfach die Bezeichnung für die mit Wasser ausgelaugte und eingedampfte Substanz aus Holzasche. Sie bestand aus wechselnden Anteilen von etwa 50–80% Kaliumcarbonat, 5–20% Kaliumsulfat, Kaliumchlorid, Natriumcarbonat (Soda, Na₂CO₃), daneben außerdem weitere Phosphate, Sulfate, Chloride und Silikate. Aufgrund dieser Zusammensetzung wiesen historische Pottaschen chemische Eigenschaften auf, die sich deutlich von dem reinen Produkt unterscheiden, das heute unter demselben Namen verkauft wird.
Ausbeute
Aus 1.000 kg trockenem Holz können je nach Literatur 1 bis 2,6 kg Pottasche gewonnen werden. Dazu wurde im Spätmittelalter nur Schad- und Fallholz, Äste, Laub und Nadeln, Rinden, Feinreisig und Wurzelstöcke direkt zur Aschengewinnung verbrannt, zudem wurde von Aschensammlern die Herdasche aus den Haushalten eingesammelt.
Gewinnung

Ansetzen: 1 Kg Asche auf 10 l Wasser, mehrere
Stunden stehen lassen, ab und zu kräftig durchrühren.
Den Ansatz zum Kochen bringen, das erhöht die Ausbeute an Pottasche.
Abfiltern um Reststückchen von Holzkohle abzusondern.
Die Lauge wurde in flachen Gefäßen aus Ton oder Metall eingedampft, so dass eine bräunliche Kruste zurückblieb. Die Entfernung der harten
Substanz aus den Eindampfkesseln stellt eine sehr arbeitsaufwendige
Tätigkeit dar.
Kalzinierung
Die Roh-Pottasche wird in speziellen Kalzinieröfen bei hohen Temperaturen ohne große Sauerstoffzufuhr gebrannt. So werden Verunreinigungen durch Oxidation entfernt und man erhält eine reine, weiße Mischung der vorliegenden Karbonate. Im Kalzinieröfen lagern sich Carbonate in einer gleichmäßigen Struktur an. Der Prozess ist also weniger eine Verbrennung im klassischen Sinne, als eine gezielte chemische Behandlung, die das Endprodukt verfeinert und dessen Eigenschaften für spezifische Anwendungen optimiert.
Warum heißt das Kalzinieren?
Der Begriff bedeutet eigentlich „zu Kalk verarbeiten“, denn auf die gleiche Weise hat man Kalkstein verbrannt ↗. Der Name wurde auf ähnliche Prozesse übertragen, bei denen ein Material durch Erhitzen unter Sauerstoffabschluss chemisch verändert wird. In der modernen Chemie wird der Begriff immer noch verwendet.
Verpackung Lagerung
Das Produkt muss luftdicht verpackt werden, da die Karbonate hygroskopisch sind und bei Kontakt mit Luftfeuchtigkeit Wasser ziehen.
Verwendung im historischen Handwerk
- Glasherstellung: Pottasche wurde als Flussmittel genutzt, um die Schmelztemperatur des Glases zu senken und die Viskosität der Glasschmelze zu regulieren. Die Verwendung von Pottasche anstelle von Soda führte zur Herstellung von Kali- oder Kristallglas, das besonders rein und klar ist.
- Reinigung und Haushaltsgebrauch: In Haushalten wurde Pottasche als universelles Reinigungsmittel verwendet, besonders zur Entfernung von Fett und Schmutz. In wässriger Lösung dient Pottasche als Reinigungsmittel mit hoher Fettlösekraft.
- Seifenproduktion: Pottasche diente als Alkalibasis für die Verseifung von Fetten. Allerdings ist Kaliumseife im Gegensatz zu Natriumseife flüssig. Diese Eigenschaft stellte eine Herausforderung dar, wenn feste Seifen benötigt wurden. Sie ist ein wichtiger Bestandteil von Schmierseife und anderen Seifenprodukten und wurde historisch zum Entfetten von Rohwolle eingesetzt.
- Farbstoffherstellung (Pigmente): Pottasche kann zudem zum Verlacken von Naturfarbstoffen mittels Fällung genutzt werden. In Kombination mit Alaun bilden sich kleine eingefärbte Tonerdekristalle, die wie mineralische Pigmente mit einem Bindemittel vermengt als Malmittel einsetzbar sind.
- Ledergerbung: In der Lederverarbeitung wurde Pottasche in der Entkälkung eingesetzt. Nach der Beize entfernte man damit überschüssige Kalkreste, um das Leder weicher und geschmeidiger zu machen.
- Backtriebmittel: Pottasche wurde als eine Art Vorläufer von Backpulver verwendet, insbesondere für Lebkuchen und schwere Teige. Die Alkalität der Pottasche reagiert mit Säuren (z. B. Buttermilch oder Honig), wodurch Kohlendioxid (CO₂) freigesetzt wird und der Teig aufgeht.
- Alkoholherstellung: Pottasche wurde in der Alkoholherstellung verwendet, um die Säure von Maischen oder Brennmaischen zu regulieren. Dies war wichtig, um die Gärung zu kontrollieren und den gewünschten Alkoholgehalt zu erzielen.
- Schwarzpulverherstellung: Pottasche war ein wichtiger Bestandteil bei der Herstellung von Salpeter (Kaliumnitrat), einem wesentlichen Bestandteil von Schwarzpulver. Die chemische Reaktion zwischen Holzasche und stickstoffhaltigen Stoffen wie Mist oder organischen Abfällen führte zur Bildung von Salpeter.
- Wäschebleiche: Die alkalischen Eigenschaften der Pottasche halfen, Stoffe aufzuhellen und zu reinigen.
- Pharmazeutische Anwendungen; In der traditionellen Medizin wurde Pottasche verwendet, um Heilmittel zu alkalisieren oder pflanzliche Wirkstoffe zu extrahieren. Einige antike und mittelalterliche Rezepturen nennen sie als Zutat für Tinkturen oder Salben.
- Aluminiumsalze: Pottasche diente als Ausgangsmaterial für die Herstellung bestimmter Aluminiumsalze, die wiederum für die Papierherstellung oder als Beizmittel beim Färben verwendet wurden.
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Materialien & Rohstoffe
Pottasche
Für welche Anwendung benutzt du sie?
- Palla, R. "Falkner, Köhler, Kupferstecher. Ein Kompendium der untergegangenen Berufe" In: S. 258f, 302ff..
- Walter, Hans-Henning (1993). "Historische Produktionsverfahren für anorganische Salze"
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