Dieser Teil widmet sich den Grundlagen der Mosaikkunst.
Wer erfahren möchte, wie ein Mosaik Schritt für Schritt entsteht, findet im zweiten Teil
"Mosaik verlegen: Von der Planung bis zur fertigen Arbeit" ↗
eine detaillierte praktische Anleitung.
Die Ursprünge der Mosaikkunst
Die Mosaiktechnik hat frühe Vorgänger, doch im eigentlichen Sinn kommt die Technik erst ab dem 4. vorchristlichen Jahrhundert in Griechenland auf. Dort war es ein reiner Bodenbelag aus naturfarbenen Kieselsteinen, und später aus zugeschnittenen Steinchen (Tesserae) aus Marmor, farbigem Gestein und Halbedelsteinen. In Rom ist Plinius der Ältere († 79) ein Zeitzeuge, der den Wandel vom althergebrachten Bodenbelag zur Verzierung von Wänden und Gewölben beobachtet.

Die Grundmaterialien der Tesserae
Marmor und Naturstein: Spaltung und Vorbereitung

In Antike und Mittelalter wurde das Material weitgehend ohne Sägen gearbeitet. Kleinformatige
Marmorreste fielen im allgemeinen Baubetrieb an. Faustgroße Stücke wurden direkt mit Hammer und
Meißel bearbeitet. Man nutzt die natürlichen Spaltrichtungen und Schwächen des Steins. Marmor hat
eine kristalline Struktur und ist in bestimmte Richtungen besser spaltbar als in andere. Die
resultierenden Tesserae waren in der Regel weniger gleichmäßig in Größe und Form. Die Kunst des
Handwerkers bestand darin, die unregelmäßig gehauenen Steine so zu legen, dass das Gesamtbild
harmonisch wirkte.
Wenn wir heute Marmor oder Naturstein nutzen, ist es üblich, ihn mit Steinsägen in handliche Platten oder Stangen zu sägen, bevor man sie mit Spitzhammer und Amboss weiter spaltet. Das Sägen sorgt für plane Oberflächen und gleichmäßige Dicken, was die anschließende Spaltung in gleichmäßige Tesserae stark vereinfacht und den Verschnitt reduziert.
Smalti: Herstellung des farbigen Mosaikglases in Kuchen und Stangen

(Abgrenzung zum Pigment Smalte: Es ist wichtig, die Mosaiksteine Smalti von dem eng verwandten Pigment Smalte abzugrenzen: Das Pigment ist vermahlenes blaues Kobaltglas, ein historischer Farbstoff in der Malerei. Es handelt sich um dasselbe kobalthaltige Glas, das für blaue Smalti im Mosaik verwendet wird, nur fein vermahlen und als Pulver Ölfarben oder Fresken beigemischt.)
Goldglas (Goldtesserae)
Goldmosaiksteinchen gehörten zu den kostbarsten Materialien der Wand- und Gewölbemosaike, besonders in der frühchristlichen und byzantinischen Kunst. Sie bestehen aus einem „Sandwich-Aufbau“: Eine hauchdünne Schicht Blattgold (seltener auch Silber) wird auf eine etwa 5-10 mm starke, erkaltete Glasplatte aufgelegt. Die gleichmäßige Anhaftung entsteht zunächst durch eine Spur destillierten Wassers, das zwischen Gold und Glas verdunstet. Nach dem Trocknen wird eine nur 0,1-1 mm dünne Glasblase (Capa) aufgelegt. Sie schließt das Edelmetall ein und schützt es dauerhaft vor Abrieb und chemischen Einflüssen.Im Ofen wird das Ganze so weit erhitzt, dass das Glas an der Oberfläche erweicht und sich die beiden Glasschichten miteinander verbinden, ohne den Schmelzpunkt des Metalls zu erreichen (bei Gold etwa 1063 °C, bei Silber rund 960 °C). Dabei wird das Gold eingebettet. Dieser Vorgang ist äußerst empfindlich: Schon kleinste Verunreinigungen können Gasblasen bilden, und selbst geringfügige Spannungsunterschiede beim Abkühlen führen leicht dazu, dass sich die Capa wieder ablöst.
Nach dem vollständigen Erkalten kann die Scheibe in einzelne Tesserae zerteilt werden. Das Ergebnis ist ein Mosaikstein von unvergleichlicher Strahlkraft.

Porzellan und genormte Mosaikfliesen: Moderne Materialvielfalt
Moderne und postmoderne Strömungen haben die Materialpalette erweitert. Besonders in der Technik des Trencadís, die durch Künstler wie Antoni Gaudí populär wurde, kommen zerbrochene Keramik-, Fliesen- oder Porzellanstücke zum Einsatz. Diese Materialien werden nicht speziell für Mosaike hergestellt, sondern stammen aus industrieller Fertigung.Für Hobbyanwender stehen Glassteinchen, sogenannte Mosaikfliesen zur Verfügung. Es gibt sie quadratisch und rund, als Millefiori und in zahlreichen Farben. Doch stets sind ihre Oberflächen glatt, ihre Dicke gleichbleibend, und ihre Maße einheitlich. Damit unterscheiden sich die Werke grundlegend im Erscheinungsbild.
(Die quadratischen Mosaikfliesen sind in verschiedenen Maßen erhältlich, eines der üblichen Maße ist 2x2 cm. Das ist für die direkte Anwendung als Mosaikstein recht groß. Man kommt der klassischen Vorstellung von einem Mosaik näher, wenn man die quadratische Fläche durch zwei schräge Bruchlinien so spaltet, dass vier Trapeze entstehen: Solche unregelmäßigen Formen ermöglichen eine flexiblere Gestaltung organischer Konturen.)
Die klassischen Verlegemuster (Opera)
Die Anordnung der Mosaiksteine folgt einer über Jahrhunderte entwickelten Ordnung, die das
Erscheinungsbild eines Mosaiks wesentlich prägt. Diese Ordnung nennt man opus. Jeder Typus
bezeichnet ein bestimmtes System der Steinsetzung, das Bewegung, Licht und Struktur des Bildes
bestimmt.
Im Werkstattalltag sind diese Verlegearten keine starren Regeln, sondern praktische Werkzeuge:
Sie geben dem Handwerker eine Richtung, nach der sich die Steinreihen fügen.
unterschiedliche Verlegetechniken
Die Direkte Methode: Antike Kunst

Die Indirekte Methode: seit dem Barock
Im Barock des 17. und 18. Jahrhunderts entwickelte sich eine neue Arbeitsweise, die den Schwerpunkt von der Baustelle in die Werkstatt verlegte. Sie ermöglichte eine rationellere Fertigung großer Mosaike und eine sorgfältige Vorbereitung der einzelnen Bildfelder. Der Preis dafür war der Verlust der unmittelbaren Kontrolle über die Neigung der Steine, die bei der direkten Methode für den lebendigen Glanz so entscheidend ist.Bei dieser Technik werden die Tesserae spiegelverkehrt auf einen Träger aus Papier oder Stoff gelegt und mit einem wasserlöslichen Klebstoff fixiert. Bewährt hat sich ein kräftiges Packpapier von etwa 160 g. Stärkeres löst sich beim Ablösen nur schichtenweise, schwächeres trägt das Gewicht der Steine nicht. Heute verwendet man meist wasserlöslichen Weißkleber; früher diente Mehlkleister (Stärkekleister) als Bindemittel. Reiner, gekochter Mehlkleister aus Mehl und Wasser lässt sich nachträglich durch Einweichen wieder auflösen. Historische Rezepte enthielten gelegentlich Zusätze wie Essig gegen Schimmel oder Glycerin zur Erhöhung der Geschmeidigkeit.
Das Mosaik wird also mit der späteren Sichtseite nach unten gearbeitet. Diese Methode erlaubt es, das Motiv in der Werkstatt unabhängig von Zeit und Witterung sorgfältig vorzubereiten. Die Materialien bleiben klassisch: Smalten und Marmor. Doch die Arbeit verlagert sich vom Baugerüst auf den Werktisch. Ist ein Abschnitt fertiggestellt, wird er zur Baustelle gebracht und mit der Papierseite nach außen in den frischen Mörtel gedrückt. Die Mosaikteile werden mit einem speziellen Klöppel, dem sogenannten „Batti“ geschlagen, bis der Setzmörtel alle Zwischenräume zwischen den Steinchen durchdrungen hat. Der Mörtel soll die Tesserae sicher fassen, darf aber nicht mehr als zwei Drittel in die Fugen quellen, damit Raum für den späteren Fugenmörtel bleibt.
Nach dem Abbinden wird das Papier angefeuchtet und vorsichtig abgezogen. Das fertige Mosaik kommt zum Vorschein. Dabei können sich einzelne Steine lösen, wenn sie keinen ausreichenden Kontakt zum Mörtel hatten. Solche Fehlstellen müssen mit frischem Intonaco ausgebessert werden, denn der Fugenmörtel besitzt keine haftende Wirkung und könnte die Tesserae nicht dauerhaft halten.
Vor dem Verfugen wird die Oberfläche gereinigt und die Fugen mit einer Bürste von losen Mörtelresten befreit. Dann wird der Fugenmörtel mit Schwamm oder behandschuhter Hand eingearbeitet und in alle Richtungen verrieben. Überschüsse zieht man mit der Handkante ab; auf größeren Flächen verwendet man Ausfugbrett und Gummilippe. Abschließend wird die Oberfläche mit einem feuchten Schwamm oder Papiertuch gereinigt: mit der nötigen Vorsicht, damit die noch plastische Fugenmasse nicht versehentlich herausgewischt wird.
Das Wendesystem: 19. Jahrhundert
Diese Methode ist präziser als die indirekte Methode und erlaubt einen größeren Detailreichtum. In einem Holzkasten, der die Maße der fertigen Arbeit oder eines ihrer Abschnitte hat und dessen Boden wasserdicht gemacht wurde, wird eine Schicht aus Ton verteilt, der mit feuchtem Ziegelmehl vermischt ist. Auf dieser Bodenschicht wird die vorbereitende Zeichnung aufgetragen und die Tesserae werden direkt darin platziert. Der entscheidende Unterschied: Das Motiv ist während der gesamten Erstellung sichtbar, sodass der Künstler die ästhetische Wirkung direkt kontrollieren kann. Sobald das Mosaik fertiggestellt ist, wird es mit feinen Gazeschichten bedeckt, die gegebenenfalls mit Hanfgewebe verstärkt werden und die mit Mehl- oder Stärkekleber fixiert werden. Sobald die Gazeschichten trocken sind, kann das Mosaik umgedreht, aus dem Kasten gelöst und der Ton entfernt werden, wobei die Tesserae sorgfältig gereinigt werden. Das Mosaik wird dann auf die Trägerwand übertragen, wie es auch bei der indirekten Methode der Fall ist.Die Methode auf Netzbasis: Moderne
Bei einer modernen Weiterentwicklung der Technik, die oft als „doppelte direkte Methode“ bezeichnet wird, arbeitet der Mosaizist auf ein Trägernetz aus Glasfaser. Die Tesserae werden mit der Oberseite nach oben sichtbar auf das Netz gelegt und mit einem synthetischen Klebstoff befestigt. Die Vorzeichnung kann man direkt auf die Gaze malen. Eine Plastikfolie unter der Mosaikarbeit sorgt dafür, dass das entstehende Werk nicht auf dem Tisch festklebt. Man greift und setzt die Steinchen mit der Pinzette, um nicht mit den Fingern in Kontakt mit dem Klebstoff zu kommen. (Nimm nicht zu viel Kleber: maximal ein Viertel der Fläche soll mit Kleber benetzt sein. Denn später beim Einbetten in den Mörtel, soll der Putz durch das Netz an die Rückseite des Steins gelangen, um ihn gut zu fixieren.) Sobald das Werk fertig ist, kann es in handliche Teilstücke zerlegt und an den Bestimmungsort verschickt werden. Vor Ort wird das Netz dann direkt auf den vorbereiteten, frischen Putz gedrückt. Nachdem der Mörtel ausgehärtet ist und die Steinchen fest eingebettet sind, bleibt das Trägernetz unsichtbar hinter dem Mosaik zurück.Der Mosaizist bezieht seine Materialien heute in der Regel aus dem Fachhandel. Glassteinchen, sogenannte Mosaikfliesen, werden industriell hergestellt und weisen ein festes Maß sowie eine gleichmäßige Dicke auf. Diese Vereinheitlichung erleichtert die Planung und Verarbeitung, führt aber auch zu einem anderen Erscheinungsbild: Der Fugenverlauf tritt stärker hervor, die Oberfläche wirkt berechenbarer als bei handgespaltenen Mosaikteilchen. Moderne Bindemittel wie Zementmörtel oder Epoxidharze sind weniger empfindlich gegenüber Witterungseinflüssen, aber kaum reversibel.
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Fachliteratur & Quellen
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Und: Welchen Mosaik-Grundsatz gibst Du einem Anfänger als wichtigsten Tipp mit, um sein Werk zu veredeln?
- Borsook, Eve (2001). "Medieval Mosaics"
- James, Liz (2017). "Mosaics in the Medieval World"
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