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Illustration zum Thema: Bienenwachs reinigen & schmelzen: Anleitung zum Klären (auch mit Zitronensäure)

Bienenwachs sammeln und aufbereiten

👤︎ Fabian Peise 📅︎ 18.01.2025

Der Wachskreislauf des Imkers

Imker gewinnen Wachs, das sie auch für die Herstellung neuer Mittelwände verwenden. Dabei stellt sich die Frage, ob sie einen offenen oder geschlossenen Wachskreislauf bevorzugen. Ein geschlossener Kreislauf bedeutet, dass ausschließlich das eigene Wachs im Betrieb verwendet wird, während ein offener Kreislauf den Austausch von Wachs mit anderen Imkern oder Lieferanten erlaubt. Diese Entscheidung ist vor allem eine Frage des Vertrauens, da keine gesetzliche Definition für die Bezeichnung „reines Bienenwachs“ existiert. Häufig wird Bienenwachs mit Paraffin gestreckt oder chemisch behandelt, was Qualität und Reinheit beeinträchtigen kann. Die einzigen, die wirklich von reinem Bienenwachs profitieren, sind die Bienen selbst. Um die Reinheit des Wachses zu gewährleisten und es im eigenen Kreislauf zu halten, wird es vor der Wiederverwendung gründlich gereinigt und idealerweise auch sterilisiert. Überschüsse, die nicht mehr benötigt werden, können aus dem Kreislauf entnommen und beispielsweise für die Herstellung von Kerzen oder andere Verwendungen genutzt werden.

Wachs entnehmen

Ein Bienenvolk liefert dem Imker im Durchschnitt etwa 1 kg Wachs pro Jahr. Die Menge pro Wabe variiert je nach Rähmchenmaß: Bei Deutsch Normalmaß liegt sie bei etwa 80 g, bei Zander-Rähmchen bei rund 90 g. Die Entnahme von Wachs ist ein integraler Bestandteil der Imkerei und dient nicht nur der Wachsgewinnung, sondern auch der Hygiene und Gesundheit des Bienenvolks. Typische Anlässe für die Entnahme von Wachs sind:

  • Entdeckeln der Honigwaben vor dem Schleudern. Um den Honig aus den Waben zu gewinnen, werden die Wachsdeckel entfernt. Dieses Entdeckelungswachs ist meist besonders rein.
  • Aussortieren alter Rähmchen mit dunklem Wabenwerk: Nach 3 bis 5 Jahren werden Waben ausgetauscht, da sie durch Rückstände wie Kot, Pollen und Krankheitserreger belastet sind. Zudem werden die Zellen durch wiederholtes Verdeckeln kleiner, was die Kapazität für Brut und Honig verringert.
  • Entfernen beschädigter Waben: Waben, die durch Bruch, Räuberei, Wachsmottenbefall oder andere Schäden unbrauchbar oder kontaminiert sind, werden aussortiert, um das Bienenvolk zu schützen.
  • Entnahme von Drohnenbrut: Um die Vermehrung der Varroamilben zu kontrollieren, wird gezielt Drohnenbrut entfernt. Dabei schneidet der Imker Teile des Wabenwerks heraus.
Diese Maßnahmen stellen sicher, dass das Bienenvolk gesund bleibt und gleichzeitig qualitativ hochwertiges Wachs gewonnen werden kann.

Warum muss das Wachs gereinigt werden?

Unbehandeltes, pur aufgeschmolzenes Wachs ist für die Weiterverarbeitung, beispielsweise zur Kerzenherstellung, nicht geeignet. Ohne Reinigung bleiben zahlreiche Schwebstoffe und Verunreinigungen im Wachs zurück, die die Qualität und Funktionalität beeinträchtigen: Das Wachs bleibt graubraun, was sich negativ auf die Ästhetik der Kerzen auswirkt. Schwebstoffe verstopfen die Dochte, wodurch die Kerzen ungleichmäßig oder schlecht brennen. Die Verunreinigungen führen dazu, dass die Flammen stark rußen und schließlich verlöschen. Eine gründliche Reinigung des Wachses entfernt diese Rückstände und sorgt dafür, dass das Endprodukt sowohl optisch ansprechend als auch funktional einwandfrei ist.

Mechanische Reinigung des Bienenwachses: Schmelzen

Durch das Schmelzen trennt sich das Wachs von den groben Verunreinigungen, die in der Regel absinken oder oben aufschwimmen und später entfernt werden können. Zum Schmelzen wird das Wachs aus alten Waben zunächst entweder aus den Rähmchen ausgeschnitten oder mitsamt den Rähmchen in einen Wachsschmelzer gelegt. Eine einfache Alternative ist ein hitzebeständiger Topf, der in einem Wasserbad erhitzt wird. Für den Schmelzvorgang gibt man Wachs und Wasser zusammen in den Topf. Bienenwachs schmilzt bei einer Temperatur von etwa 80°C und sollte in diesem Bereich gehalten werden. Bringt man das Wachs-Wasser-Gemisch zum Kochen, kann der Druck des Wasserdampfs nicht entweichen, weil das Wasser vom Wachs bedeckt ist. Der Druck entlädt sich dann ruckartig und wird die ganze Küche in Mitleidenschaft ziehen. Im Wasserbad kann dies nicht passieren. Sollte Wachs jemals in Brand geraten, darf es keinesfalls mit Wasser gelöscht werden. Verwende stattdessen eine feuerfeste Abdeckung, um die Flammen zu ersticken.

Das richtige Wasser: Vermeidung der Verseifung

Die Wahl des Wassers ist entscheidend, da Kalk und Mineralien eine Verseifung des Wachses auslösen können. Regenwasser ist meist kalkfrei und daher gut geeignet, solange es sauber aufgefangen wurde. Für die meisten Hobbyanwendungen reicht sauberes Regenwasser aus. Abgekochtes Wasser reduziert den Kalkgehalt nicht vollständig, entfernt jedoch Kohlendioxid und verringert so Kalkablagerungen. Es ist eine bessere Option als unbehandeltes Leitungswasser. Dennoch bleibt destilliertes Wasser die sicherste Wahl, da es völlig frei von Mineralien und Ionen ist, die das Wachs beeinträchtigen könnten. Bei der Verseifung reagiert Kalk (Calciumionen) mit den freien Fettsäuren im Wachs und bildet sogenannte Kalkseifen. Diese machen das Wachs trüb, weniger formbar und verleihen ihm eine seifige Haptik, wodurch es für viele Anwendungen wie Kerzenherstellung oder Pflegeprodukte unbrauchbar wird. Obwohl die Verseifung bereits bei Kontakt mit hartem Wasser einsetzt, verläuft der Prozess langsam. Für eine spürbare Beeinträchtigung sind höhere Temperaturen oder längere Einwirkzeiten erforderlich. Dennoch können bei kalkhaltigem Wasser leichte Veränderungen auftreten – insbesondere bei Anwendungen, die eine hohe Wachsqualität erfordern.

Filtern

Um grobe Verunreinigungen aus dem geschmolzenen Wachs zu entfernen, wird es heiß durch ein geeignetes Filtergewebe gegossen. Grobe Verunreinigungen im Wachs sind Puppenhäute, Kot der Larven sowie gelegentlich Chitinteile von Bienen oder Varroamilben. Als Filtermaterial eignen sich alte, saubere Hand- oder Geschirrtücher. Alternativ können spezielle Filter, wie sie in Klimageräten verwendet werden, zum Einsatz kommen. Dabei ist darauf zu achten, dass das Material hitzebeständig und ungebraucht ist, um eine Verunreinigung des Wachses zu vermeiden. Ein sorgfältiges Filtern sorgt dafür, dass das Wachs klar und frei von störenden Partikeln bleibt.

Abkühlen

erstarrte Wachsblöcke mit Bodensatz
Abbildung: erstarrte Wachsblöcke mit Bodensatz.
Nach dem Schmelzen lässt man das Wachs so langsam wie möglich abkühlen, damit sich Verunreinigungen am Boden des Wachses absetzen können. Der Topf mit dem heißen Wachs wird dazu gut isoliert in eine passende Kiste mit Styropor oder Stroh gesetzt. Während der Abkühlphase, die idealerweise bei Temperaturen von 70 bis 80°C über mehrere Stunden gehalten wird. Sobald der Wachsblock vollständig erstarrt ist, lässt er sich herausstürzen. Bei einem metallenen Topf lässt man von außen etwas heißes Wasser laufen, um den Block leicht aus der Form zu lösen. Die Schicht mit den Verunreinigungen kann nach dem Erstarren mit einem Messer abgekratzt werden.

Wiederholen

Es sind mehrere Durchgänge von Schmelzen und Abkühlen notwendig, um das Wachs vollständig zu säubern. Jedes mal schabt man die gebildete Schmutzschicht großzügig ab.

Bienenwachs von Faulbrut sterilisieren

Für die meisten Anwendungen ist es ausreichend, das Bienenwachs bei Temperaturen um 80°C zu schmelzen, um grobe Verunreinigungen zu entfernen. Die meisten Krankheitserreger wie die der Nosema oder Kalkbrut werden bereits bei diesen Temperaturen abgetötet. Für die vollständige Sterilisation gegen alle Krankheitserreger, einschließlich der Sporen der Amerikanischen Faulbrut, müssen Temperaturen von etwa 130°C für mindestens 30 Minuten erreicht werden. Diese Behandlung erfordert spezialisierte Geräte, wie sie in der professionellen Wachsumarbeitung eingesetzt werden. Befallene Bienenstöcke werden daher meist vollständig verbrannt, und man verzichtet auf die Nutzung des Wachses.

Das Aufhellen

Reines Bienenwachs ist eigentlich fast weiß. Der gelbe Farbton, der auch nach mehrmaligem Aufschmelzen noch erhalten bleibt, kommt von den enthaltenen Pollen, die sich kaum restlos entfernen lassen. Das Aufhellen des Wachses kann auf zwei verschiedene Arten erfolgen: durch langes Sonnenbaden oder durch die Verwendung einer Säurebehandlung. Beide Methoden haben ihre Vor- und Nachteile. Die Säurebehandlung ist schneller, während das Sonnenlicht über mehrere Wochen hinweg eine sanfte Möglichkeit bietet. Eine einfache und langwierige Möglichkeit ist, das Wachs in dünne Schichten zu gießen und es mehrere Wochen in die Sonne zu legen. Eine bewährte Methode verwendet Essig oder Zitronensäure. Für etwa 5 kg Bienenwachs löst man 2 g Zitronensäure in 1 Liter Wasser auf und erhitzt diese Mischung mit dem Bienenwachs auf ca. 85 °C. Das Wachs und die Lösung müssen gründlich gerührt werden, um sicherzustellen, dass Wasser und Wachs gut miteinander in Kontakt kommen. Ein mechanisches Rühren ist hier besonders hilfreich. Zur Kontrolle der Aufhellung kannst Du einen Holzstab in das heiße Wachs tauchen und kurz abkühlen lassen. So lässt sich die Farbveränderung des Wachses einschätzen. Durch den Einsatz der Säure werden feinste Schwebstoffe aus dem Wachs ausgefällt, weshalb es sinnvoll ist, das Wachs nach der Behandlung noch einmal durch ein feines Gewebe zu filtern. Lass das Wachs nach der Behandlung wieder ganz langsam abkühlen, so dass sich das Wasser unter dem Wachs absetzen kann.

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Fachliteratur & Quellen

Matthias Schlörholz: Bienenwachs und Wachskreislauf

Das Buch vermittelt praxisnah, wie Imker einen eigenen, geschlossenen Wachskreislauf aufbauen können. Der Band verbindet Grundlagenwissen zu Eigenschaften und Zusammensetzung von Bienenwachs sowie zum Wabenbau mit anschaulichen Schritt-für-Schritt-Anleitungen zur Wachsernte, Reinigung und Verarbeitung zu Mittelwänden. Eine fundierte Einführung für alle, die Wert auf reines Bienenwachs, Bienengesundheit und eine unabhängige, nachhaltige Imkereipraxis legen.
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Armin Spürgin: Bienenwachs gewinnen, verarbeiten, vielseitig verwenden

Das Buch bietet eine umfassende Einführung in Herkunft, Aufbereitung und Nutzung von Bienenwachs. Der Ratgeber beschreibt den gesamten Weg vom Wabenbau im Bienenstock über die Reinigung und Qualitätsbeurteilung bis zur praktischen Weiterverarbeitung zu Kerzen, Pflegeprodukten oder handwerklichen Anwendungen. Zahlreiche Fotos und Anleitungen machen das Buch sowohl für Imker als auch für Einsteiger zu einer fundierten Grundlage im Umgang mit diesem vielseitigen Naturstoff.
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Materialien & Rohstoffe

Zitronensäure

Zitronensäure in Pulverform eignet sich als vielseitiger Grundstoff für Haushalt, Werkstatt und traditionelle Anwendungen. Das Pulver wirkt leicht säuernd und lässt sich gut dosieren. Es wird häufig zum Entkalken, Reinigen, als Säuerungsmittel oder für einfache chemische Zubereitungen verwendet. Die wiederverschließbare Verpackung schützt vor Feuchtigkeit und ermöglicht eine saubere Aufbewahrung.
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Bienenwachs Pastillen

Die Bienenwachs-Pastillen bestehen aus reinem, naturbelassenem Bienenwachs ohne Zusatzstoffe und lassen sich durch ihre Pastillenform leicht dosieren und schmelzen. Sie eignen sich für zahlreiche handwerkliche Anwendungen, etwa zur Kerzenherstellung, Holzpflege, Lederbehandlung, Kosmetik oder für traditionelle Versiegelungen. Das in Deutschland hergestellte Naturprodukt überzeugt durch vielseitige Verwendbarkeit und gleichbleibende Qualität bei der Verarbeitung.
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Werkzeuge & Hilfsmittel

Wachsschmelztopf

Der elektrische Wachsschmelzer ist ein kompaktes Komplettgerät für das kontrollierte Schmelzen von Wachs bei handwerklichen Arbeiten. Der Edelstahl-Innentopf sorgt für gleichmäßige Wärmeverteilung, während Heiz- und Warmhaltemodus eine präzise Temperaturführung ermöglichen. Das Set enthält Thermometer, Dochte, Halter und weiteres Zubehör, sodass sich Kerzen, Seifen oder ähnliche Gussarbeiten unmittelbar umsetzen lassen. Der Ausgießer erlaubt sauberes Arbeiten, die kompakte Bauweise erleichtert Aufbewahrung und Transport.
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Was ist Dein hartnäckigstes Problem bei der Wachsaufbereitung?
Und: Welchen unverzichtbaren Trick nutzt Du, um das Wachs sauber und langsam abkühlen zu lassen, damit sich der Bodensatz perfekt löst?

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  • Büll, Reinhard (1977). "Das große Buch vom Wachs"

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