Zunfterbe: Handwerkswissen lebendig und nachvollziehbar

Zunfterbe ist eine wachsende Wissensplattform für alle, die historisches Handwerk nicht nur anschauen, sondern selbst ausführen wollen. Ich möchte Techniken in einer Weise dokumentieren, die nachvollziehbar ist. Mein Ziel ist ein lebendiges Archiv, das so zuverlässig ist wie ein gutes Fachbuch und so praktisch wie ein Tag in der Werkstatt.

Wissen durch Praxis

Viele Anleitungen im Netz sind oberflächlich. Oft merkt man, dass der Autor sein eigenes Rezept nie selbst probiert hat: Man misst genau nach Anleitung vier Esslöffel Salz in den Topf und wundert sich, warum die Suppe versalzen schmeckt. Das ist frustrierend. Solche Fehler entstehen, wenn über Handwerk geschrieben wird, ohne es selbst ausgeführt oder in verlässlicher Praxis erlebt zu haben. Auf Zunfterbe beruht ein Beitrag deshalb entweder auf eigener Arbeit oder auf unmittelbar überliefertem Handwerkswissen aus belastbaren Quellen.

Rückwärts denken bis zum Rohstoff

Die meisten Projekte beginnen im Baumarkt. Ein Handwerker ist heute völlig aufgeschmissen, wenn er sein Arbeitsmaterial nicht nachkaufen kann. Deshalb gehe ich die handwerkliche Kette bewusst einen Schritt zurück. Bevor wir eine Hose schneidern, müssen Garn und Stoff entstehen. Um auch noch Nadel und Schere zu schmieden, muss man wissen wie Eisen gewonnen und weiterverarbeitet wird. Dieser Schritt rückwärts ist im Alltag nicht notwendig, weil fast alles verfügbar ist. Er schärft jedoch den Blick für Material und Werkzeug, den Ursprung der Dinge zu kennen.

Mitmachen kann jeder

Einen kurzen Kommentar zu einem Artikel kann man bereits mit einem Nickname und einer E-Mail Adresse verfassen. Das ist bewusst niedrigschwellig gehalten. Wer als Autor beiträgt, übernimmt eine andere Rolle: Hier steht die eigene Erfahrung im Mittelpunkt, nicht anonym, sondern nachvollziehbar. Expertise bedeutet für mich dabei nicht akademische Titel oder lange Publikationslisten. Entscheidend ist die praktische Arbeit in der eigenen Werkstatt, der sichere Umgang mit Material und Werkzeug, und das Wissen, wovon gesprochen wird.

Die Qualitätssicherung

Wenn viele Menschen Inhalte beitragen können, stellt sich die Frage nach der Qualität. Jeder Text wird deshalb vor der Veröffentlichung redaktionell besprochen. Dabei geht es um Verständlichkeit, Aufbau und die saubere Trennung von belegtem Wissen und Einordnung. Zusätzlich gibt es eine fachliche Prüfung, angelehnt an das Peer Review aus wissenschaftlichen Fachzeitschriften. Unter jedem Artikel ist vermerkt, ob und von wem der Inhalt überprüft wurde. So ist nachvollziehbar, dass ein Beitrag nicht nur einmal gelesen, sondern aus mehreren fachlichen Blickwinkeln geprüft wurde. Diese Qualität wird anerkannt: Zunfterbe wird unter anderem im Handbuch Denkmalpraxis der Handwerkskammer zu Leipzig als Fachressource geführt.

Hinter dem Projekt

Bild von Fabian Peise
Fabian Peise
Initiator von Zunfterbe ist Fabian Peise. Ich erforsche und praktiziere historische Handwerkstechniken in ihrer ganzen Breite. Bevor ich mich einer neuen Kunst zuwende, tauche ich in die bestehende Praxis ein: ich arbeite mit Material und Werkzeug, spreche mit erfahrenen Handwerkern und dokumentiere meine Erkenntnisse. Kann ich eine Technik nicht selbst ausprobieren, stütze ich mich auf überlieferte Quellen, Videos oder Schriften. Mein Zugang zu historischem Handwerk begann im Studium der Kunstgeschichte, angestoßen durch ein Seminar über frühchristliche Textilien. Die Empfehlung, selbst Hand anzulegen, führte mich in ein Museumsdorf, wo ich erste Einblicke in verschiedene alte Künste erhielt. Auf diese Weise habe ich die Verarbeitung der Wolle vom Spinnen bis zum Weben durchlebt, bin den Weg der Keramik vom Ausheben des lehmigen Bodens bis zur Benutzung des fertigen Tontopfes gegangen, habe die Druckgraphik vom Schöpfen des Papiers bis zum Abdruck der eigenen Kupferstiche verfolgt.

Pläne für Zunfterbe

Das Projekt soll sich als Nachschlagewerk für Handwerksinteressierte, Reenactor und Restauratoren etablieren. Ein Webshop wird Materialien anbieten, die sonst schwer zu beschaffen sind, und abgeschlossene Themenkomplexe sollen in Buchform verfügbar sein. So lässt sich Wissen auf unterschiedlichen Wegen sichern und verbreiten. Gleichzeitig sollen Shop, Affiliatelinks und die Vergabe von Bildrechten dazu beitragen, die Plattform finanziell eigenständig zu betreiben.